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Eltern sein in Corona-Zeiten : Eine Stimme für Familien

Verbündet seit sieben Wochen: die Mütter Diane Siegloch, Agnes Horvath und Susanne Kern (von links) Bild: Lando Hass

Corona traf nicht nur Eltern in Frankfurt hart. Eine Gruppe kämpfte dagegen und forderte mehr Unterstützung vom Land. Nun öffnen Schulen und Kitas. Kann die Initiative sich also auflösen?

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          In der Corona-Krise mehren sich die Hoffnungsschimmer, aber bei „Familien in der Krise“ geht es erst so richtig los. Die drei Frauen, die im schattigen Hof eines Bockenheimer Cafés sitzen, kennen einander erst seit sieben Wochen. Meist haben sie sich in Videokonferenzen getroffen, nicht persönlich wie an diesem Morgen mit Tee und Cappuccino. „Es fühlt sich an, als würden wir schon seit Monaten was machen“, sagt Diane Siegloch. Die dreifache Mutter aus Wiesbaden hat die erste Demonstration der Gruppe am 25. April mit 50 Eltern vor dem Landtag organisiert – die erste Demo, die sie selbst jemals besucht hat.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jetzt, da die hessischen Schulen und Kitas zum Regelbetrieb zurückkehren, löst sich die Initiative nicht etwa auf. Sondern die Frauen beginnen, sich als Stimme für alle Familien in Deutschland zu verstehen. Noch besteht der Zusammenschluss aus etlichen Whatsapp-Gruppen; gefunden haben sich die Engagierten auf Facebook. Siegloch sagt: „Man hat als Eltern eigentlich für so etwas keine Zeit, aber sich nur im Internet sein Leid zu klagen bringt uns nicht weiter.“

          Eine „Interessenvertretung für Familien“

          Wenn es nach ihr und ihren Frankfurter Mitstreiterinnen Agnes Horvath und Susanne Kern geht, soll bald ein gemeinnütziger Verein entstehen. Zum harten Kern der Gruppe gehören nach Angaben der drei Frauen mehr als hundert Mütter und auch ein paar Väter. „Wir sehen uns als Interessenvertretung für Familien.“ Zwar gebe es Elternvertreter von Kitas und Schulen. Aber die seien eben immer an die Institutionen und ein bestimmtes Alter der Kinder gebunden.

          Die Hessen sind mit Mitstreitern in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin und Hamburg vernetzt. Inzwischen stehen sie in Kontakt mit Abgeordneten des Landtags, sind in Frankfurt im Bildungsausschuss aufgetreten und haben mit der früheren Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von der CDU gezoomt. Nächste Woche sind sie mit Kai Klose verabredet. Der Sozialminister von den Grünen ist einer der Vertreter der hessischen Politik, die den drei Frauen zu männlich daherkommt. Aber auch die Väter in der Gruppe sähen sich nicht ausreichend vertreten, sagen die drei Frauen.

          Forderungen werden in der Politik beachtet

          Die Gruppe will nicht nur für „moderne Doppelverdiener-Familien“ und Akademiker sprechen. Siegloch steigt nach der Elternzeit wieder mit einer 80-Prozent-Stelle als Business Development Manager bei einem Fintech-Start-up ein. Aber was genau heißt schon „moderne Familie“? Horvath arbeitet mit 70 Prozent als Controllerin bei einer Landesbank, sagt aber, sie kümmere sich derzeit zum großen Teil um die Tochter, die jetzt in die Schule kommt. Kerns Engagement neben einem 90-Prozent-Job als Investmentmanagerin bei einem Vermögensverwalter ist dagegen nur möglich, weil ihr Mann sich viel um die Töchter im Kita-Alter kümmert.

          Die Frauen freuen sich, dass so viele ihrer Forderungen inzwischen auch in der Politik eine Rolle spielten. Zum Beispiel die nach festen Gruppen in Kitas und Grundschulen, damit die Abstandsregeln nicht mehr gelten müssen. Seit „diesem schlimmen Statement der Leopoldina“ habe sich da einiges getan. Das Gremium, das die Bundesregierung berät, empfahl Mitte April, die Schulen schon bald wieder zu öffnen, die Kitas aber nur sehr eingeschränkt. Das war die Initialzündung für den Einsatz. Horvath sagt, seitdem habe sie der Umgang mit Familien in der Corona-Zeit immer wieder in Rage gebracht.

          Aus Sicht der Frauen ist die Krise noch nicht überwunden. „Wir sind hier noch nicht durch“, sagt Susanne Kern. „Was ist bei einem zweiten Lockdown? Warum werden keine Pool-Testungen gemacht?“ Zu den langfristigen Zielen zählen die drei die Ausstattung der Schulen – nicht nur, was die Digitalisierung angeht.

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