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Homeschooling während Corona : So haben Schüler die Zeit zu Hause erlebt

  • Aktualisiert am

Schüler im Lockdown - dazu gehörte auch: keine Freunde treffen. Bild: Picture Alliance

Am 15. März haben wir Schüler in ganz Deutschland gefragt, was sie von der Zeit im Lockdown erwarten. Seitdem sind drei Monate vergangen. Jetzt wollten wir wissen: Wie war’s denn so?

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          Emily, 10. Klasse, Berlin: Die ersten fünf Wochen waren echt ziemlich doof. Ich saß jeden Tag neun Stunden am Schreibtisch, weil wir zu viele Schulaufgaben hatten. Die Lehrer wussten einfach noch nicht, wie viel sie uns zumuten können, die mussten sich genauso einfinden wie wir. Außerdem hat man auf diesen Stichtag nach den Osterferien hingelebt. Man hat akzeptiert, dass es halt gerade scheiße ist, ist aufgestanden, hat seine Schulsachen gemacht und ist wieder ins Bett gegangen. Auch mit der Familie war es anstrengend. Wir sind vier Personen, jeder hatte unterschiedliche Interessen, und immer war einer beleidigt. Ohne Corona wäre das so das Jahr gewesen, in dem ich noch viel mehr ohne meine Eltern gemacht hätte. So hingen wir alle aufeinander. Erst als der Stichtag immer weiter verschoben und mir klar wurde, dass es gar keinen Stichtag geben würde, habe ich überlegt: Okay, ich halte das so nicht aus. Man muss sich diese Zeit auch schön machen. Vielleicht dauert das alles ein Jahr, und man kann ja nicht ein Jahr verplempern. Also habe ich wieder einige wenige Freunde getroffen. Wir haben uns nur draußen gesehen, aber immerhin. Spazierengehen, durch Berlin laufen, die Stadt erkunden. Und Eis essen, viel Eis. Dann hat die Schule wieder angefangen, es gab Lockerungen, und dieses Frühlingsgefühl, das einem so komplett geraubt worden war, kam wieder. Langsam ging alles wieder los, alles, was einem so gefehlt hatte, die Hobbys, der Sport, und man hatte das Gefühl, das alte Leben kommt zurück, obwohl: Eigentlich rede ich nicht gern von „altes Leben“. Es ist ja unser neues.

          Carlotta, 12. Klasse, München:

          Wegen der Schulschließung waren für uns von jetzt auf gleich zwölf Jahre Schule eigentlich plötzlich rum. Ich finde es sehr schade, dass wir jetzt keinen richtigen letzten Schultag hatten und es so abrupt geendet hat. Nach den schriftlichen Prüfungen fürs Abitur haben wir vor der Schule noch ein bisschen gefeiert, aber mit so großem Abstand wie möglich. Für die Abi-Vorbereitung hat mir die Schule aber nicht gefehlt: Viele Lehrer haben uns über E-Mail einiges an Stoff geschickt, und in Mathe hatten wir freiwilligen Online-Unterricht, der auch sehr hilfreich war. Natürlich war es nicht das Gleiche wie bis zum Ende in der Schule zu sein, aber ich hätte mich ohne Corona wahrscheinlich auch nicht mehr vorbereitet. Am Anfang fand ich es sehr drastisch, wegen Corona alle Schulen in Bayern zu schließen. In meinem Umfeld hatten einige Menschen die Erkrankung, aber sie sind alle wieder gesund geworden. Ich kann es immer noch nicht richtig einschätzen, aber ich denke inzwischen: Lieber einmal zu drastisch sein und damit Leben retten als zu lasch sein, und es gibt dann viele Tote.

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