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Homeschooling am Limit : Wenn Serverausfälle den Unterricht dominieren

Homeschooling - Aufgrund der geschlossenen Schulen während des Lockdowns sind Eltern und Kinder auf Hausunterricht angewiesen. Bild: Sieber, Laila

Hardware- und Softwareprobleme sorgen für Unmut. Das häusliche Distanzlernen scheitert nicht nur in Baden-Württemberg viel zu oft an einer Überlastung der Lernplattformen, die alle Beteiligten frustriert.

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          Der Weg zur Digitalisierung der Schulen in Baden-Württemberg ist seit Jahren äußerst steinig. Die Probleme sind viel älter als die jetzt täglich beklagten Schwierigkeiten mit dem digitalen Fernunterricht. Vor zwei Jahren musste Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Entwicklung der Schulplattform „Ella“ (Elektronische Lehr- und Lernassistenz) stoppen. Das Kultusministerium hatte mindestens acht Millionen in den Sand gesetzt. Zwar hatten die Grundlagen für die teure Software-Entwicklung Eisenmanns Vorgänger gelegt, aber auch unter ihrer Führung waren die katastrophalen Mängel bei der Projektsteuerung lange Zeit unentdeckt geblieben.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die fast fertig entwickelte Plattform war nicht in der Lage, 1,5 Millionen Nutzer zu registrieren. Einheitliche Mail-Adressen für Schüler und alle Lehrer gibt es bis heute nicht. Alle Nutzer von „Ella“ sollten Zugang zu Online-Bibliotheken haben, die Schüler sollten eine einheitliche Cloudspeicherfunktion bekommen, die Lehrer einen Messenger-Dienst. In der Krise könnte jeder Schüler, jede Lehrerin solche Dienste gut gebrauchen, aber das Nachfolgeprojekt steckt weiter in den Kinderschuhen und soll erste Ende des Jahres fertig sein.

          Wäre die neue digitale Bildungsplattform, manchmal „Ella 2“ genannt, komplett betriebsbereit, hätten die 4.500 Schulen im Südwesten in der Corona-Krise in jedem Fall weniger Probleme, denn dann könnten Schüler und Lehrer alle Programme, egal ob von Microsoft oder von Open-Source-Anbietern, auf einer einheitlichen Oberfläche anklicken. Seit Beginn der Pandemie und der krisenbedingten Notwendigkeit, mehr als eine Million Schüler im virtuellen Klassenzimmer zu unterrichten, zeigen sich die Defizite fast täglich.

          Versagen auf ganzer Linie

          Obwohl die Schulverwaltung mehr als vier Monate Zeit hatte, sich auf einen weiteren Lockdown vorzubereiten, brachen zum Beginn des Fernunterrichts am 11. Januar sofort wieder einige Server zusammen. Von 4.500 Schulen im Land konnte etwa jede zehnte nicht pünktlich in den virtuellen Unterricht mit der Lernplattform „Moodle“ und dem Videochat-Programm „Big Blue Button“ starten. Statt Französischvokabeln sahen viele Schüler nur die Mitteilung „Die Website reagiert nicht“ auf ihrem Laptop. Das Ministerium rechtfertigte den blamablen Start mit dem Hinweis, man habe schon 2,6 Millionen Euro für zusätzliche Server investiert und dann in den Weihnachtsferien für „Moodle“ und „Big Blue Button“ noch einmal zusätzliche Kapazitäten für 250.000 Euro geschaffen.

          Cord Santelmann, der zuständige Referent für die Schuldigitalisierung beim baden-württembergischen Philologenverband, macht für die großen Schwierigkeiten nicht allein die Hard- und Software verantwortlich – das Kultusministerium führe die Schulen schlecht durch die Krise: „Wir haben im September den Qualitätsrahmen Fernunterricht bekommen. Da steht drin, dass wir die Anwesenheit der Schüler kontrollieren sollen, aber nicht, wie das praktisch geschehen soll. Wir vermissen didaktische Hinweise, wie wir die Software für den digitalen Fernunterricht nutzen sollen. Was das Kultusministerium da macht, grenzt an Arbeitsverweigerung.“ Auch die Vereinigung der Schulleiterinnen und Schulleiter beschwerte sich in dieser Woche. Das Ministerium lasse die Schulen in Fragen des Online-Unterrichts im Corona-Lockdown „völlig im Stich“.

          Die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) möchte im März die Wahl zur Ministerpräsidentin in Baden-Württemberg gewinnnen.
          Die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) möchte im März die Wahl zur Ministerpräsidentin in Baden-Württemberg gewinnnen. : Bild: dpa

          Die Meinungen zum Erfolg gehen auseinander

          Nach Auffassung von Kultusministerin Eisenmann wird der digitale Fernunterricht in der zweiten Pandemiephase besser umgesetzt: „Wir haben in den vergangenen Monaten einiges unternommen, um uns für den Fernunterricht besser aufzustellen.“ So seien über das Sofortausstattungsprogramm 300.000 Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler bereitgestellt worden, die nicht über einen Laptop oder ein Tablet für den Fernunterricht verfügten. Das Ministerium verweist außerdem auf die heterogene Schullandschaft, es gebe regelmäßig Briefe des Ministerialdirektors an die Schulen. Santelmann widerspricht deutlich: „Viele Lehrer wissen noch nicht einmal, welche Software sie eigentlich legal einsetzen können.“

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