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Weiterführende Schulen : Welcher Abschluss darf es denn sein?

  • Aktualisiert am

Die Reihen lichten sich nicht: Schüler bei den Abiturprüfungen Bild: dpa

Wo es immer weniger Kinder gibt, sollten Abiturienten eigentlich rar sein. Das Gegenteil ist der Fall. Aber warum? Wie das Gymnasium seine Schüler sucht: Ein Gespräch mit dem Bildungsforscher Nils Berkemeyer.

          Sie haben für die Bertelsmann-Stiftung eine Studie vorgelegt, die unter anderem vergleicht, wie viele Schüler eines Jahrgangs in den einzelnen Bundesländern Abitur machen. In Bayern sind das 40 Prozent, in Baden-Württemberg knapp 60 Prozent. Ist das Abitur dort leichter?

          Wenn man nur die Abschlussquote an den Gymnasien anschaut, liegen die Werte im Bundesdurchschnitt bei 31 Prozent. Daneben gibt es aber noch andere Schulformen, die auch zum Abitur führen und gerade deutlich gestärkt werden. Der dritte Weg zur Hochschule führt über das berufliche Schulsystem. Das ist bei Baden-Württemberg erheblich: Die Abiquote am Gymnasium liegt dort bei 28,4, insgesamt steigt sie auf 57 Prozent.

          Sind diese Abschlüsse weniger wert als das Abitur am Gymnasium?

          Schwer zu sagen. Zur Kompetenz der Oberstufenschüler gibt es im Bundesvergleich keine aktuellen Studien. Die letzte stammt von 1998. Das ist ein großes Desiderat. Es gäbe dann auch eine empirische Basis zur Frage, ob das Abi in Bremen oder Hamburg weniger wert ist als das in Bayern. Gleichwertig ist es aber auf der formalen Ebene. Denn solange die Universität keine eigenen Zugangstests macht, wird erstmal nach dem Abi-Durchschnitt geguckt.

          Ist das gerecht?

          Natürlich kann man eine Gaußsche Normalverteilung annehmen und fragen, ob es denn sein kann, dass die reine Abiquote in Hamburg bei 46 Prozent liegt, in Bayern aber bei 24, wenn sich darin die Kompetenz der Schüler ausdrücken soll. Es wäre jedenfalls tragisch, wenn jemand dafür bestraft würde, dass er in einem Bundesland mit hohen Anforderungen Abitur macht, eine gute Allgemeinbildung hat - aber eben eine schlechtere Abiturnote als andere, die es in einem anderen Bundesland leichter haben.

          Bei uns kann man mit dem Abitur im Prinzip alles studieren, in anderen Ländern nur jeweils bestimmte Fächer, je nach schulischen Schwerpunkten. Wäre das auch bei uns wünschenswert?

          Das passiert doch schon: Der Anteil der Fachabiturienten steigt, die später ja nur bestimmte Fächer studieren können. Bundesweit büßt dagegen das Gymnasium gerade sein früheres Monopol ein.

          Wie reagiert man dort darauf?

          Wo der demographische Wandel einen merklichen Schülerverlust mit sich bringt, führt das zu einer Konkurrenzsituation. Wenn dann ein Gymnasium die Anzahl seiner Parallelklassen beibehalten will, ist es gezwungen, im Zweifel auch mal Schüler aufzunehmen, die es früher nicht genommen hätte, weil sie nicht gut genug sind - man senkt also die Anforderungen an den Notendurchschnitt am Ende der Grundschule. Das ist für Eltern attraktiv, die ihr Kind so aufs Gymnasium schicken können statt auf andere Schulen. Das ist der Grund, warum die Hauptschule in vielen Bundesländern keine Chance mehr hatte.

          Gibt es objektive Kriterien quer über Ländergrenzen hinweg, ob ein Kind reif fürs Gymnasium ist?

          Nein. Natürlich könnte man sich einen bundesweiten Test vorstellen, der im ersten Halbjahr der vierten Klasse durchgeführt und für die Übergangsdiagnostik mit herangezogen würde - den gibt es aber nicht. In Bundesländern wie Bayern bekommt man nur mit einem bestimmten Notendurchschnitt überhaupt eine Empfehlung für das Gymnasium. Das mag man für ein objektives Kriterium halten. Wir wissen aber natürlich, dass auf einer Grundschule in einem Problembezirk von München der Notenschnitt 2,5 etwas anderes besagt als in Grünwald. Noten werden stark regional und kontextgebunden erteilt, weil die Lehrer natürlich nicht sehen können, wie der Gesamtdurchschnitt in Bayern ist. Aus meiner Sicht kommen wir allein mit den Noten als Kriterium für den Übergang nicht weiter.

          Immerhin gibt es doch Lehrpläne und Klassenziele?

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