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Forschung : Schaden oder nutzen Lernprogramme für Kleinkinder?

Auch Kleinkinder bekommen schon Tablets in ihre Hände Bild: Imago

Tablets und Handys in Kinderhand sind allgegenwärtig. Schon Kleinkinder dürfen sich an Lernprogrammen versuchen. Doch der Nutzen scheint in keinem Verhältnis zu den negativen Auswirkungen zu stehen, klagen amerikanische Forscher.

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          Smartphones und Tablets sind aus unserem Erwachsenenalltag nicht mehr wegzudenken. Und sind damit auch für Kinder leicht verfügbar. In Deutschland hat bereits jedes vierte Kind zwischen sechs und 13 Jahren ein Smartphone. Aber auch noch Jüngere dürfen mal auf dem Tablet der Eltern ein Spiel ausprobieren oder sich mit einem Lernprogramm beschäftigen.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          So alltäglich Tablets und Co bereits sind - die Wirkung, die interaktive Geräte auf Kleinkinder haben, ist bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden. Forscher der Universität Boston haben nun eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die die Nebenwirkungen von Apps und Lernprogrammen auf die Jüngsten betreffen. 

          Die amerikanischen Wissenschaftler sehen dabei durchaus gute Seiten von interaktiven Lernprogrammen: Beim Aufbau von Vokabular und der Lesefähigkeit scheinen sie helfen zu können, das legten einige Studien nahe. Doch dabei gelte eine Einschränkung: Nur bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter zeigt sich eine positive Wirkung. Bei Kindern unter zwei Jahren ist der Effekt ein anderer - vor allem deshalb, weil Kleinkinder am besten durch Ausprobieren und Nachahmen eines menschlichen Gegenübers lernen.

          Wie lernt man, sich mit sich selbst zu beschäftigen?

          Eine - noch unbeantwortete - Frage beschäftigte das Team um Jenny Radesky besonders: Wenn Mobilgeräte in Familien als erste Wahl eingesetzt werden, um Kinder zu beruhigen oder abzulenken, werden sie dann überhaupt in der Lage sein, ihre eigene Selbstkontrolle zu entwickeln? Wie lernen sie, sich mit sich selbst zu beschäftigen, wenn ein Gadget für sie so leicht verfügbar ist?

          In ihrem kritischen Kommentar in der amerikanischen Zeitschrift pediatrics geht Jenny Radesky noch einen Schritt weiter: Je häufiger und länger ein Kind vor dem Fernseher sitzt, um so mehr leide seine Fähigkeit, Sprache und soziales Verhalten zu erlernen. Auch bei der Nutzung von Mobilgeräten liege daher die Schlussfolgerung nahe, dass das Spielen am Tablet die Zeit der direkten Kommunikation mit anderen Menschen ersetzt und dadurch wertvolle Lernzeit in der Gruppe verpasst wird.

          Tipps für Eltern

          Die Wissenschaftler an der Universität in Boston werfen außerdem die Frage auf, ob der häufige Gebrauch von Mobilgeräten durch kleine Kinder die Entwicklung ihrer Empathie und der Fähigkeit, selbst Probleme lösen zu können, behindere, da letztere vor allem durch Ausprobieren, ungeplantes Spiel und vor allem durch die Begegnung mit Gleichaltrigen erlernt wird.

          Viel sei noch unerforscht, aber die Wissenschaftler haben verschiedene Empfehlungen für Eltern:

          • Eltern sollten Apps und Spiele, die sie ihren Kindern zur Verfügung stellen, unbedingt vorher selbst ausprobieren
          • Falls möglich sollten Eltern die Lernprogramme gemeinsam mit ihren Kindern durchgehen, das erhöht nachweislich deren Wirkung
          • Familien sollten immer wieder bewusste Offline-Zeit vereinbaren, in der der Fernseher und das Handy ausgeschaltet werden und die gemeinsam verbrachte Zeit im Vordergrund steht

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