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Einer wird gewinnen : Ein Frosch aus roten Steinen

Die Aufgaben werden immer schwerer: Bei „Brick by Brick“ müssen Silhouetten aus Bausteinen nachgelegt werden. Bild: F.A.Z.

Wer über räumliches Vorstellungsvermögen und logisches Denken verfügt, ist bei dem Spiel „Brick by Brick“ klar im Vorteil. Doch wer die Silhouetten zu schnell aus den Steinen nachbaut, macht sich verdächtig.

          2 Min.

          Ist euer Sohn eigentlich gut in Mathe, hatte unsere Freundin, die Buchhändlerin, gefragt, als wir den nächsten Spieleabend verabredet hatten. Geht so, hatte ich gesagt.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Ich verkaufe nämlich neuerdings auch Spiele in meinem Laden, hatte die Buchhändlerin gesagt, und die Mütter sind ganz wild auf Brick by Brick, weil dieses Spiel logisches Denken und räumliches Kombinieren fördert.

           Ach so, hatte ich gesagt, und sie hatte versprochen, das Spiel mitzubringen, das sei nämlich auch etwas für große Leute, und ich hatte gefragt, ob wir nicht lieber etwas Spannenderes spielen könnten, aber da hatte sie schon Tschö mit ö! gesagt und aufgelegt.

          Tschö mit ö, hatte meine Frau gefragt, was ist denn mit der los?

          Sie will dem Jungen etwas Gutes tun und freut sich auf das Spiel, hatte ich gesagt.

          Als die Buchhändlerin mit ihrem Mann Ullrich kam, zog sie mit Verschwörermiene ein Päckchen aus der Tasche. Willst du das mal aufmachen, fragte sie unseren Sohn.

          Bild: Johannes Thielen

          Wollen wir vielleicht erst mal was essen, fragte Ullrich mürrisch. Dann schnappte er sich das Päckchen, bevor unser Sohn es in die Hand nehmen konnte. Creative Building Game, las er vor, heißt das auf Deutsch: Achtung, langweiliges Lernspiel?

          Du weißt genau, was das auf Deutsch heißt, Ullrich, sagte die Buchhändlerin, aber du kannst dein Englisch gleich mit dem Taxifahrer aufpolieren, wenn du so weiter machst.

          Nach dem Essen zog Ullrich einen Stapel Karten und fünf rote Plastiksteine unterschiedlicher Größe und Form aus der Packung. Möchtest du uns jetzt die Regeln erklären, sagte er zur Buchhändlerin, und die lächelte ihn überrascht an. Es ist ganz einfach, sagte sie. Auf der Vorderseite der Karten sind geometrische Formen abgebildet, die muss man aus den roten Steinen nachbauen. Auf der Rückseite der Karten steht, wie das geht. Die Karten sind numeriert von der 1 bis zur 60, das ist die schwerste.

          Willst du mal versuchen, fragte Ullrich unseren Sohn. Jetzt strahlte die Buchhändlerin.

          Bei der ersten Karte, die eine regelmäßige Pyramide zeigte, musste unser Sohn nicht lange überlegen. Als er bei der vierten nicht weiterkam, wollte ihm die Buchhändlerin helfen. Irgendwie muss das doch gehen, sagte sie nach einer Weile, dann setzten sich meine Frau und ich auch dazu, aber keiner von uns fand heraus, wie man die roten Steine zusammen bauen musste, damit die Silhouette eines Froschs heraus kam.

          Darf ich mal, fragte Ullrich. Er löste die Aufgabe im Nullkommanichts. Die Buchhändlerin schaute ihn anerkennend an.

          Hätte ich gar nicht gedacht, sagte meine Frau.

          Toll, sagte unser Sohn.

          Ich finde das schön, dass du dich so auf ein Spiel einlassen kannst, Ullrich, sagte die Buchhändlerin.

          Wir sahen Ullrich zu, wie er auch die nächsten Karten vom Stapel nahm und eine Form nach der anderen zusammenfügte. Manchmal ließ er auch unseren Sohn probieren, aber der brauchte immer länger als Ullrich.

          Die war aber auch schwer, sagte er, als unser Sohn eine Lösung erst nach viel Probieren fand, und später kommt noch so eine ähnliche.

          Wie, später kommt noch so eine, fragte meine Frau.

          Kennst du die Aufgaben schon, fragte unser Sohn.

          Hast du dir vorhin die Karten angesehen, Ullrich, fragte die Buchhändlerin.

          Nicht wirklich, sagte Ullrich.

          Auch die Seite mit den Lösungen, fragte meine Frau.

          Weißt du, was man früher mit Falschspielern gemacht hat, Ullrich? sagte die Buchhändlerin.

          Und ich brachte unseren Sohn ins Bett.

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