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„Drache Kokosnuss“ im Kino : Ihr könnt doch nicht einfach meine Freunde fressen!

Bewährtes Trio: der kleine Drache Kokosnuss mit seinen Freunden Oscar (l.) und Matilda (r.) Bild: dpa

Mit seinen insgesamt 22 Büchern in zwölf Jahren ist der kleine Drache Kokosnuss einer der beliebtesten Kinderbuchhelden unserer Zeit. Jetzt ist er auch im Kino zu sehen: in einen Film voll bestechendem Aberwitz.

          Die demütigende Erfahrung, vor aller Augen zu versagen, gehört wohl zum Leben, und der kleine Drache Kokosnuss ist da keine Ausnahme. Seine öffentliche Flugprüfung enthält allerdings alles, was derlei nicht nur lästig, sondern traumatisch macht: Er kommt zu spät, beobachtet das triumphale Abschneiden seiner arroganten Mitschülerin Ananas, versagt selbst auf der ganzen Linie und muss hinterher noch das Feixen der anderen ertragen. Und als ihn wenig später der freundliche Großvater einlädt, die Scharte auszuwetzen, indem er auf das für die Ernährung der Feuerdrachen lebenswichtige Feuergras aufpasst, versagt er auch hier.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Es sind ungünstige Umstände, die das Kinodebüt eines der beliebtesten derzeitigen Kinderbuchhelden begleiten. Seit 2002 sind insgesamt 22 Bücher um den kleinen roten Feuerdrachen und seine Freunde, das Stachelschwein Matilda und den Fressdrachen Oskar, erschienen. Zusammen mit anderen Drachen und Wildtieren leben sie auf einer abgeschiedenen Insel, und der Autor und Illustrator Ingo Siegner hat die Grenzen dieser Welt in den letzten Bänden zunehmend gedehnt, indem er Kokosnuss mit Rittern, Wikingern oder Indianern konfrontierte, mit allem also, das Kinder im Erstlesealter interessieren könnte.

          Weil nun, wer hierfür ins Kino geht, den Drachen und seine Freunde kennen dürfte, ist die Sache mit den anfänglichen Niederlagen auch nichts Verstörendes: Natürlich geht das Abenteuer gut aus, natürlich wird das Zusammenwirken der drei Freunde am Ende jede Katastrophe verhindern. Dass der Film trotzdem von Anfang an Fahrt aufnimmt und mitunter ausgesprochen spannend ist, liegt am Willen der Urheber, sich mit Firlefanz gar nicht erst aufzuhalten: Das betrifft die reduzierte Optik, die auf glatte Flächen und knallige Farben setzt, die Akustik, die genüsslich jeden Zusammenstoß der Figuren mit Hauswänden, Hügeln, Gegenständen oder anderen Figuren unterstreicht, und die Dramaturgie, die den Begriff des Fressfeindes wörtlich nimmt und Kokosnuss schon bald in einen dampfenden Kessel bugsiert, vor dem sich ein Koch die Lippen leckt, der auf den Appell „ihr könnt doch nicht meine Freunde fressen!“ so gar nicht reagiert.

          Ein fragiler Frieden

          Warum sollte er auch? In diesem Film sind die erwachsenen Drachen übergroß und die Kinder klein, Kokosnuss wirkt gegenüber den Büchern noch einmal verjüngt, mehr Lausbub und Chaot als der bisweilen fast altkluge Protagonist der Romane.

          Und fügt sich so bestens in einen Film voll bestechendem Aberwitz. Wer Feuergras frisst, lernen wir, entwickelt explosive Darmgase, die ihn raketengleich fliegen lassen, und wer sich in die Luft begibt, kann sich im nächsten Moment schon in den gefährlichen Schlucklöchern und einem unterirdischen Höhlensystem wiederfinden.

          Am Ende kommt es zu einem fragilen Frieden zwischen den Feuerdrachen und den Fressdrachen vom anderen Ende der Insel. Man sitzt beisammen an einer großen Tafel, die Feuerdrachen wollen künftig ihr explosives Gras mit ihren Gästen teilen, selbst das Schweinchen mit dem sprechenden Namen Steaky darf fürs erste am Leben bleiben. Dass sich das jederzeit ändern kann, weiß das Kinopublikum nach diesem Film. Und gerade das hebt ihn aus der Masse ähnlicher Kinderliteraturverfilmungen heraus.

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