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Handreichung für Erstcamper : Ein Land geht zelten

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Hier parkt so schnell keiner seinen Wohnwagen zu dicht nebenan: In diesem Sommer suchen viele einen einsamen Campingplatz, um die Natur zu genießen und das Virus zu umgehen. Was muss man beachten, wenn man mit Zelt, Anhänger oder Bus loszieht? Bild: plainpicture/Blend Images/Chris

Die Ferien sind da, alle wollen raus an die frische Luft – aber wegen Corona muss Abstand gehalten werden. Das kann man gut mit einem Zelt. Noch nie gab es so viele Erstcamper wie dieses Jahr. Was erwartet sie? Eine Handreichung.

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          Der Hammer

          Das Teil sah aus wie aus einer Werkzeugkiste fürs Vorschulalter, aber ich konnte mein Glück kaum fassen: ein Plastikhammer! Im hinterletzten Winkel Patagoniens, im einzigen Laden des einzigen Kaffs weit und breit! In der Nacht war mein Zelt im Sturm beinahe mit mir drin weggeflogen, weil ich die Heringe nur halb in den steinigen Boden gedrückt bekommen hatte. Und jetzt? Die Ideallösung, das Nonplusultra, das eigentlich Unmögliche: ein leichter, rucksacktauglicher Hammer! Der Verkäufer betrachtete ihn, als überlege er, ob er sich wirklich von ihm trennen wollte. Er seufzte. 20.000, sagte er, der Hammer kostet 20.000 Pesos. Das waren damals 25 Euro. Für ein Stück Kunststoff mit einem Materialwert von – 30 Cent? Ich sah den Verkäufer an. Er sah mich an. Ich wusste, was er dachte. Er wusste, was ich überlegte. Beinahe war es wie ein Duell. Ich zahlte. Er gab mir den Hammer. Das ist fast zwanzig Jahre her. Ich habe das Teil noch immer.

          Zum Zelten braucht man einen Hammer. Einen normalen, schweren, wenn man mit dem Auto campt; einen leichten aus Kunststoff, wenn man mit dem Rucksack unterwegs ist. Mit beiden lassen sich Heringe in den Boden schlagen – einfach so reindrücken kann man die nämlich nur unter idealen Bodenbedingungen, und die gibt es selten bis nie. Tief eingeschlagene Heringe aber sind elementar, sonst lässt sich das Zelt nicht gut abspannen. Dann wird es zum Spielball der Elemente. Um diese Campingerfahrung zu machen, muss man nicht in patagonischen Stürmen ausharren. Da genügt eine Gewitternacht auf einem Campingplatz bei Edemissen-Abbensen.

          Wo wir gerade dabei sind: Werfen Sie die mit dem Zelt gelieferten Heringe weg und besorgen Sie sich neue. Kaufen Sie die im Fachhandel, achten Sie nicht auf ein paar Euro, nehmen Sie mehr, als Sie eigentlich brauchen: Auch nur ein einziger fehlender Hering kann eine schlaflose Nacht bedeuten (und manche Zeltmodelle lassen sich dann gar nicht erst richtig aufbauen). Am besten nimmt man zwei Varianten mit: die langen mit V-Profil für feuchten, tiefen Boden oder Sand; Heringe mit T-förmigem Ende für alles andere. Und wenn Sie Ihr Zelt abgespannt haben, gehen Sie rüber zu Ihren Campingnachbarn und leihen Sie denen Ihren Hammer.

          Stefan Nink

          Der Mückenschutz

          Wer sich nicht wehrt, wird verzehrt. Unter den vielen bekannten Methoden der Selbsttötung ist die des Zeltens ohne Insektenschutzmittel eine weniger bekannte, dafür aber umso quälendere. Und erst recht vermeidbare. Wer je sommers in Skandinavien oder Schottland campiert hat, weiß, dass das Verspeistwerden bei lebendigem Leibe zu den verzichtbarsten Urlaubserinnerungen gehört. Und wer seinem designierten Zeltpartner die alten Hausmittel gnädig ersparen und lieber nicht mit wehender Knoblauchfahne oder Lavendelbüscheln unter den Achseln in den Schlafsack kriechen möchte, der greift seit jeher zur der kleinen roten Sprühflasche mit der Aufschrift: „Anti-Brumm Forte.“

          Der Name ist Rettungsprogramm. Wenn die Stiftung Warentest versuchshalber Mücken auf Menschen loslässt, schneidet „Anti-Brumm“ regelmäßig mit Bestnote ab. Es hat die längsten Wirkungszeiten, sowohl bei Mücken als auch bei Zecken, und selbst in den Tropen ist das Schweizer Traditionsrepellent gefürchtet: Mühelos schlägt es die Asiatische Tigermücke, die Überträgerin des Denguefiebers, ebenso in die Flucht wie die Malaria transportierende AnophelesMücke. Das gute alte Allzweckmittel basiert auf dem Wirkstoff DEET, dem „Goldstandard unter den Insektenschutzmitteln“ (Eigenwerbung). Der wurde schon Mitte der vierziger Jahre vom US-Militär entwickelt und speziell für die Tropen empfohlen. Das angenehm medizinische Odeur, irgendwo zwischen Jod, Sandelholz und Chemieunfall, verleiht dem campingnotorischen Zeltmuff eine angenehm urbane, ja schon zivilisatorische Note.

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