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Für Schüler : Ärzte und Lehrer uneins über neue einheitliche Quarantäne-Regelung

  • Aktualisiert am

Sachsen, Dresden: Schülerinnen einer 12. Klasse in der kleinen Mensa im Gymnasium Bürgerwiese einen Corona-Schnelltest in den Händen. Bild: dpa

Die von den Gesundheitsministern beschlossenen einheitlichen Fünf-Tage-Quarantäne für Schüler rufen bei Experten gemischte Reaktionen hervor. Kinderärzte warnen, dass Kinder auch unter einer kurzen Quarantäne litten.

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          Die von den Gesundheitsministern einheitlich beschlossenen Quarantäne-Regelungen für Schüler rufen gemischte Reaktionen bei Ärzte- und Bildungsverbänden hervor. Kritik äußert etwa Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Wir finden es deutlich sinnvoller, nur das infizierte Kind in Quarantäne zu schicken“, sagte Maske der Zeitung Welt. „Kinder leiden auch bei fünf Tagen unter der Quarantäne, sitzen etwa eine zweistellige Stundenanzahl vor dem Bildschirm. Die Folgen haben wir in den vergangenen drei Lockdowns erlebt: Angst-, Zwangsstörungen oder Depressionen.“ Besser wäre es gewesen, die Sitznachbarn des infizierten Schülers täglich vor dem Unterricht per PCR-Test zu testen, so Maske. „So würden potentielle Infektionen sofort erkannt werden, statt massenhaft gesunde Kinder nach Hause zu schicken.“

          Ein Großteil der bisher in Schulen verhängten Quarantänemaßnahmen sei überflüssig gewesen, so Maske. „Daten aus der Vergangenheit zeigen, dass rund 98 Prozent der Quarantänen nicht notwendig gewesen wäre.“

          Im Zweifel alle Kinder nach Hause schicken

          „Wie begrüßen die Regelung, allerdings unter einigen Voraussetzungen“, sagt Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Die Sitznachbarn sollten nur dann für fünf Tage in Quarantäne geschickt werden, wenn im Unterricht Maskenpflicht herrscht und die Freitestung über einen PCR-Test erfolgt. Wenn diese beiden Schutzmaßnahmen nicht gegeben sind, sollte die gesamte Klasse in Quarantäne“, so Finnern. „Wir haben erst September, die heiße Phase der hohen Infektionszahlen wird noch ab Oktober oder November kommen.“

          Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, begrüßt die einheitliche Regelung. „Die Gesundheitsämter haben nun einen einheitlichen Rahmen, an dem sie sich orientieren können“, so Teichert. Auch für Eltern sei es wichtig zu wissen, dass ihr Kind im Zweifel nur fünf Tage und nicht 14 aus dem Unterricht genommen wird. „Trotzdem ist es wichtig, dass die Amtsärzte die Situation je nach Fall individuell betrachten und Kriterien wie Maske und Abstand in der Schule prüfen.“

          Karlizcek lobt „maßvolle“ Regelung

          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat die Vereinbarung der Gesundheitsminister der Länder zu Quarantäne-Regeln in Schulen begrüßt. „Das wird die Akzeptanz der Regeln erhöhen. Richtig ist der Ansatz, dass die Dauer und die Zahl der Betroffenen der Quarantäne maßvoll eingeschränkt werden“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das werde dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht für möglichst viele Kinder und Jugendliche aufrechterhalten werde. „Wichtig ist aber auch, dass die Gesundheitsämter immer auf den Einzelfall schauen werden.“

          Karliczek appellierte erneut an Erwachsene, das Angebot zur Corona-Impfung anzunehmen. „Die Pandemie bleibt für unsere Kinder, die noch nicht geimpft werden können oder noch ungeimpft sind, eine Gefahr.“ Je mehr Menschen geimpft seien, desto leichter lasse sich auch das Infektionsgeschehen an den Schulen beherrschen.

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