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Bildungsdaten : Treibstoff für die Helikoptereltern

Bis zu automatischen Benotung

Promethean, ein Anbieter interaktiver Lerntechnologien, führt in Halle 23 vor, wie einfach sich multimediale Unterrichtseinheiten mit kleinen Übungen koppeln lassen, für die Schüler mit eigenen kleinen Geräten namens Activ Expression arbeiten. Die übertragen nicht nur die Antworten der Schüler, sondern auch die Zeit, die sie für die jeweilige Aufgabe gebraucht haben - als Excel-Tabelle. Der Lehrer kann so abrufen, wie gut die Klasse im Stoff mitgekommen ist und wo, gezielt oder grundsätzlich, noch einmal nachgearbeitet werden muss. Aber er kann sich auch Profile seiner Schüler anlegen, die ausweisen, wie sich deren Leistung zu welcher Tageszeit, an welchen Wochentagen und insgesamt entwickelt. Üblicherweise sind die Geräte zwar nicht personalisiert und werden in mehreren Klassen eingesetzt. Die Verknüpfung lässt sich allerdings mit wenigen Mausklicks herstellen. Die Daten sind ja da.

Auch das System Mastertool des Bildungsmedienanbieters Cotec, das auf dem Whiteboard oder den Bildschirmen der Kinder die Kombination fertig eingekaufter Themenpakete mit eigens vorbereitetem Lernmaterial, mit Youtube-Videos, PDF-Dateien und Fenstern in Wikipedia ermöglicht, wirbt mit der einfachen Datenauswertung der interaktiven Lerneinheiten. Sogar Bewertungen weist das System aus, wenn der Lehrer festlegt, welcher Prozentsatz richtiger Antworten zu welcher Note führen soll. Neun Bundesländer haben das Programm bereits über ihre Landesmedienzentren lizenziert, die es ihrerseits an die Schulen und die Lehrer weitergeben. Nur die Dropbox-Anbindung, erzählt der Geschäftsführer Stefan Schätti, hätten sie aus Gründen des Datenschutzes wieder ausbauen müssen.

Standleitung zwischen Eltern und Lehrern

In Bremen hat sich die Schulbehörde für eine einheitliche Lernplattform für alle 57.000 Schüler des Bundeslandes entschieden. In den Schulen und in der Lehrerausbildung soll itslearning eingesetzt werden, das Lehrmaterialien verwalten, Unterrichts- mit Bildungsplänen verknüpfen, Aufgaben stellen und ihre Erfüllung protokollieren und das zentrale Kommunikationsmedium hinter der Begegnung im Klassenraum werden kann. Und dieses System sieht vor, wovon Helikoptereltern nur träumen können: einen tiefen Zugriff auf die Daten ihrer Kinder.

Bis in die einzelnen Hausaufgaben können die Eltern, die das Unternehmen als Bildungspartner anspricht, in das Profil ihrer Kinder tauchen. Ein eigenes Dashboard informiert über anstehende Klassenarbeiten, die Abgabedaten von Aufgaben und deren Korrekturstand. Eltern können, wirbt das Unternehmen, „Berichte über Zensuren, das Verhalten und die An- bzw. Abwesenheit der Kinder sehen“, die Informationen würden automatisch mit den aktuellsten Einträgen der Lehrer abgeglichen.

Nicht an den Kindern vorbei

Die Nutzergruppe, die hierfür bei der Konfiguration des Systems eigens angelegt werden muss, und die Einrichtung Zehntausender weiterer Profile für die Eltern ist in Bremen zunächst nicht vorgesehen. In der Projektsteuerungsgruppe sitze auch ein Mitglied aus dem Landeselternrat, sagt Michael Plehnert, Referent für IT-Infrastruktur am Landesinstitut für Schule. Solange von dieser Seite keine Wünsche kämen, würde das überhaupt nicht diskutiert. Die Systemoption allerdings ist da.

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