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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Durchschlaf-App für Babys : Ich bin dein Vater

Schlaf, Kindchen, schlaf: Die App „Sleep Hero“ hilft Eltern, so zu tun, als wären sie da. Bild: Sleep Hero

Das Kleinkind schläft nachts um drei nur weiter, wenn der Vater sein Lieblingslied singt? Eine neue App will den Schlaf von Eltern schützen. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind noch nicht ausgereizt.

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          Eltern kennen das, wenn sich die Ergriffenheit, für einen kleinen Menschen schlichtweg alles zu sein, der Halt, die Rettung, das Leben, mit dem Bedürfnis beißt, aus dieser süßen Pflicht gerne auch einmal entlassen zu werden. Nachts zum Beispiel. Nur für ein paar Stunden. Sagen wir für sechs. Das ist natürlich nicht zu viel verlangt, aber für die Eltern von Kleinkindern allzu oft ein unerreichbarer Traum.

          Man muss es einen Durchbruch bei den digitalen Erleichterungen des Lebens nennen, als das altgediente Babyphon vor ein paar Jahren erste Apps zur Seite gestellt bekam, die von sich aus eine angegebene Nummer anrufen, sobald ein bestimmter Lautstärkepegel in der Umgebung für eine bestimmte Zeit überschritten ist. Die Eltern müssen nicht mehr jedes Tiefschlafschmatzen des Kindes mitanhören, und auch die bange Frage entfällt, wie es um den Empfang des Empfangsgeräts bestellt ist. Wenn wirklich etwas los ist im Kinderzimmer, dann gibt es Alarm. Oder erst einmal die Gelegenheit, fernmündlich auf das Kind einzuwirken. Wenn dem gerade nach Telefonieren zumute ist.

          Da geht noch mehr

          Rob Tong, Vater zweier Kleinkinder und Entwickler, hat jetzt die App „Sleep Hero“ programmiert. Sie bietet nicht nur eine Auswahl bewährt beruhigender Geräusche, sondern noch dazu die Gelegenheit, selbst aufzunehmen, was das unruhige Kind zuverlässig weiterschlafen lässt - ein schlichtes Beschwichtigungsbrummeln, ein Gutenachtlied, ein paar zärtliche Worte. Reaktionsempfindlichkeit und Lautstärke lassen sich einstellen, den Rest machen Kind und App quasi untereinander aus. Und der Nachtschlaf der Eltern ist gerettet. War gerettet. Es dauerte nämlich nicht lange, da hatte das ältere der beiden Tong-Kinder gelernt, Mensch und Maschine voneinander zu unterscheiden. Also musste der Erfinder nachbessern. Und hat mit seiner Idee, einfach ein Belohnungssystem mit virtuellen Trophäen für Kinder einzuführen, die brav im Bett bleiben, das ganz große Geschäft wohl leider verpasst.

          Er hätte nicht das Instrumentarium ausweiten sollen, um Kinder ruhig im Bett zu halten, sondern die anderen Einsatzmöglichkeiten einer App bedenken, die sich um den Schlaf übernächtigter Eltern sorgt. Tagsüber nämlich sind sie nicht etwa bei Unruhe gefordert, sondern wenn es leise wird, erwartungsvoll leise. Ein „Hört auf euren Vater“ für den peinlichen Moment der Stille am Frühstückstisch, ein „Ganz Ihrer Meinung“, ausgelöst bei Schweigen in einer Konferenz, ein „Amen“ für den Erhalt des seligen Kirchenschlafs: das wär’s. Das schlichte Beschwichtigungsbrummeln bleibt natürlich im Repertoire.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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