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Bücher für Kinder : Was sollen wir lesen?

Lesen und gelesen werden: Hans-Georg Lenzens „Onkel Tobi“, gemalt von Sigrid Hanck Bild: Sigrid Hanck: Viel Spaß mit Onkel Tobi / cbj Verlag

Jetzt beginnt die dunkle Jahreszeit. Das heißt aber auch: mehr Zeit für Bücher. Einige alte und neue Werke, an denen Kinder verschiedener Altersstufen Freude haben.

          Bilderbücher, in denen genau das gemalt ist, was auch im Text vorkommt, sind entsetzlich langweilig - eigentlich. In Nadia Buddes „Eins Zwei Drei Tier“ ist das ganz anders. Auf jeder Seite sind vier Wesen dargestellt. Drei gehören zusammen, etwa die Jungen Benno, Eddi und Rolf. Der vierte ergibt sich aus dem Reim. Auf Rolf folgt ein Wolf, und den gibt es dann auf der nächsten Seite in drei Fassungen: „Groß“, „Mittel“ und „Klein“ steht nacheinander über den drei Wölfen, die immer mehr einschrumpfen, bis dann das vierte Bild kommt. Auf „klein“ folgt „Schwein“, und so geht das immer weiter.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Genial einfach ist das, natürlich, aber auch höchst wirkungsvoll beim Vorlesen. Eltern werden sich ebenso wie ihre Kinder fragen, worauf die aberwitzige Kette von Buddes Begriffen jetzt wieder hinauswill, die Zeichnungen mit dem klaren Strich und der flächigen Farbe sind auf das Allerschönste reduziert, das Buch ist ein Kunstwerk, entsprungen aus vollkommener geistiger Unabhängigkeit und der schieren Lust am Reim.

          Nadia Budde: „Eins Zwei Drei Tier“. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2008. 18 S., 11,90 Euro. Ab 2 Jahren.

          Auf den Hund mit Fliege folgt da die Ziege, die, blättert man um, nacheinander „mit Vollbart“, „mit Brille“ und „mit Blase“ auftritt. Die letzte hält dann auch einen Luftballon mit den Kiefern fest, der das Tier in die Luft reißt. Sie flöge wahrscheinlich weg, und das Buch wäre schon zu Ende, aber zum Glück reimt sich auf „Blase“ das Wort „Hase“, und so steht der auf dem Boden, eine Schnur in der Hand, an der die Ziege festgebunden ist, und es geht weiter und weiter.

          Auf dem vorletzten Bild ist ein Känguru, darauf reimt sich „Du“, und man möchte sofort wieder von vorn anfangen. Tut man dann ja auch.

          Viel Spaß mit Onkel Tobi

          Wahrscheinlich war das so eine Sternstunde wie die erste Begegnung von Goscinny und Uderzo, Laurel und Hardy oder Kaltz und Hrubesch. Hans-Georg Lenzen, der an der Werkkunstschule in Düsseldorf unterrichtete, hatte eine Studentin namens Sigrid Hanck, die illustrieren wollte, aber nicht wusste, was. Lenzen tat ihr den Gefallen und verfasste eine kleine, gereimte Geschichte um den freundlichen Onkel Tobi, der allein in einem Haus auf dem Land lebt und zum wöchentlichen Einkauf mit seinem Pferdewagen in die Stadt fährt. Wen er unterwegs trifft, der gibt ihm noch eine Bestellung mit, und die Liste wird immer länger: „Hut und Pfanne, Kaffeekanne, / Bretter und ein Päckchen Nägel, / für den dicken Bauer Kregel, / ferner: einen Haustürschlüssel, / für die Äpfel eine Schüssel, / einen Besen für den Stall, für die Katze einen Ball.“

          Hans-Georg Lenzen, Sigrid Hanck: „Viel Spaß mit Onkel Tobi“. Alle Geschichten in einem Band. Verlag CBJ, München 1994. 128 S., 15 Euro. Ab 5 Jahren.

          All das schreibt er nicht etwa auf, sondern singt sich die ständig wachsende Liste geradezu vor, und wer das liest oder hört, wird diesen Klang lange nicht mehr los. Lenzen, der auch die Geschichten vom „Kleinen Nick“ ins Deutsche gebracht hat, erweist sich mit diesem Buch - dem noch drei weitere Onkel-Tobi-Geschichten folgen sollten - als großer melodischer Dichter, und Hancks Bilder stehen ihm an Raffinesse in nichts nach. Übrigens hat Onkel Tobi natürlich etwas vergessen. Grämt er sich? Ach was, der nächste Samstag kommt bestimmt, und das Pferdchen freut sich schon.

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