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Allensbach-Studie : Nur elf Prozent der Mütter im Westen arbeiten Vollzeit

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Wer sich um die Familie kümmert, wird in Deutschland nicht nur ungleich verteilt, sondern auch dauerhaft: Mutter mit Neugeborenem am Strand. Bild: Picture-Alliance

Das Allensbach-Institut hat erforscht, wie die elterlichen Pflichten nach der Geburt des ersten Kindes verteilt werden. Und was sich daran später noch ändert. Glücklich sind vor allem die Frauen damit nicht.

          Frauen, die nach der Geburt ihres ersten Kindes beruflich zurückstecken, finden aus dieser familiären Aufgabenteilung später kaum noch heraus. Glücklich sind sie damit allerdings oft nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine an diesem Dienstag veröffentlichte Paar-Studie des Allensbach-Institutes im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Danach erklärten 57 Prozent der nicht arbeitenden Mütter von Kindern unter sechs Jahren, Berufstätigkeit sei für sie „ziemlich wichtig“.

          Zweites auffälliges Ergebnis der Studie ist der immer noch große Graben zwischen Ost und West. Nach der Elternzeit arbeiten in den neuen Bundesländern 34 Prozent der Frauen in Vollzeit. Im Westen ist dies nur bei 11 Prozent der Mütter der Fall.

          Ein- für allemal

          Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht zwei Gründe für dieses Ost-West-Gefälle: Das Angebot für Ganztagsbetreuung sei in den östlichen Bundesländern immer noch besser. Das Rollenverständnis sei im Westen immer noch ein anderes. Dazu trügen auch Politiker wie der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bei, die das Uralt-Klischee von der arbeitenden Rabenmutter pflegten. „Damit muss endlich einmal Schluss sein“, forderte Schwesig. Scheuer hatte Anfang der Woche Schwesigs Vorstoß für Kinderbetreuung in Abend- und Nachtstunden scharf kritisiert.

          Entwicklung für Elternpaare, die zwei oder mehr Kinder haben

          Die Allensbach-Studie stellt jetzt fest: Waren vor der Geburt des ersten Kindes bei bundesweit 71 Prozent der Paare beide Partner in Vollzeit erwerbstätig, so galt dies nach der Geburt lediglich für 15 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Paare mit kleinen Kindern war nach der Elternzeit nur noch ein Partner - meistens der Mann - voll berufstätig, während der andere - in der Regel die Frau - in Teilzeit beschäftigt war. 17 Prozent der Mütter schieden komplett aus dem Berufsleben aus. Die einmal gewählte Konstellation wird von den meisten Paaren auch nach der Geburt des zweiten Kindes beibehalten.

          Das hat laut Schwesig auch mit der immer noch nicht ausreichenden Flexibilität vieler Arbeitgeber zu tun. Auch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack ist überzeugt: „Damit Mütter und Väter künftig gleichermaßen und partnerschaftlich Erwerbs- und Familienarbeit leisten können, muss die Arbeitszeit anders verteilt werden.“

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