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Fall Suhrkamp : Ausbruch aus der Feindschaft

Der Weg zum Insolvenzverfahren für Suhrkamp ist frei. Bild: Maurizio Gambarini/dpa

Hans Barlach hatte alles darangesetzt, ein Insolvenzverfahren bei Suhrkamp zu verhindern - vergebens. Das Amtsgericht Charlottenburg hat nun eine Entscheidung getroffen, die ein Befreiungsschlag sein könnte.

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          Als gestern im Sitzungssaal 337 des Frankfurter Landgerichts die Anwälte der zerstrittenen Suhrkamp-Gesellschafter aufs Neue gegeneinander antraten und sich ein zweistündiges Rededuell lieferten, bei dem es so hoch herging, dass die Richterin Müller-Elsing beschwichtigend eingreifen musste, da also wusste keiner der Beteiligten, vor allem nicht der siegesgewiss im Saal erschienene Hans Barlach, dass in Berlin inzwischen eine andere Entscheidung getroffen worden war, die den Frankfurter Richterspruch obsolet machen würde.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Während man in Frankfurt nämlich noch um die Deutungshoheit über Sinn oder Unsinn einer Gewinnausschüttung rang, hatte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am Vorabend das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung des Suhrkamp Verlags eröffnet. Das war bis gestern nicht bekannt. Und die meinungsfreudige Frankfurter Richterin musste, nachdem die Nachricht ihren Sitzungssaal per SMS erreichte, unverrichteter Dinge das Feld räumen. Ihr Urteil, das eben noch mit Spannung erwartet wurde, war von einem Moment zum andern irrelevant geworden.

          Warum Suhrkamp das Insolvenzverfahren will

          Die Nachricht über den Insolvenzplan ist deshalb spektakulär, weil er der Zerschlagung eines gordischen Knotens gleichkommt. Das mag auf den ersten Blick überraschen. Denn wer wünscht sich schon einen Insolvenzplan im eigenen Haus? Die Rede ist immerhin von so unschönen Dingen wie Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Doch sieht der Plan zur Rettung des in Schieflage geratenen Unternehmens nicht nur den Erhalt sämtlicher bestehender Arbeitsplätze im Verlagshaus vor, was die seit Monaten verunsicherten Suhrkamp-Mitarbeiter gewiss beruhigen dürfte.

          Der Plan beinhaltet vor allem die Änderung der Rechtsform von Suhrkamp. Das ist es, was hier von Bedeutung ist: Dass die 1950 gegründete Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Wir hätten es bei dem Verlag von Hans Magnus Enzensberger, Alexander Kluge, Brecht und Hesse künftig mit der Suhrkamp Verlags AG zu tun.

          Als Aktiengesellschaft wird der Verlag wieder handlungsfähig

          „Diese Umwandlung sichert die Existenz und die Handlungs- und Planungsfähigkeit des Verlags“, begründete gestern der in Berlin ansässige Verlag den Schritt: Durch die Änderung der Rechtsform des Verlags wird der insolvenzauslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinflussen können. Zukünftig wird ein Vorstand eigenverantwortlich handeln.“ Der Formwechsel des Verlags berührt die Gesellschafterstellung der Familienstiftung und der Medienholding nicht. Die Gesellschafter werden als Aktionäre weiterhin am Verlag beteiligt sein. Ihre Mitwirkungs- und Einflussrechte ergeben sich aber künftig aus dem Aktienrecht.

          Der Sachwalter des Verfahrens, Rolf Rattunde, erklärt auf Anfrage, der ihm vorgelegte Insolvenzplan sei auf den ersten Blick „in Ordnung“. In einer Personengesellschaft werde es immer dann schwierig, „wenn sich die Personen nicht verstehen, weil sie sich dann gegenseitig blockieren können“. Dass dies bei den Suhrkamp-Gesellschaftern, der Unseld-Familienstiftung, die 61 Prozent am Verlag hält, und der Schweizer Medienholding (39 Prozent), der Fall ist, daran lassen die seit Jahren andauernden Rechtsstreitigkeiten keinen Zweifel.

          Barlach erhält weniger Einfluss

          Die Umwandlung des Traditionshauses in eine AG nimmt die Gesellschafter in gewisser Weise aus dem Spiel. Sie sind künftig Aktionäre des Verlags, die sich auf jährlich stattfindenden Hauptversammlungen zu Wort melden und nach Herzenslust streiten können. Einfluss auf das operative Geschäft haben sie nicht mehr. Dort agiert dann ein Vorstand, der von einem von den Aktionären bestimmten Aufsichtsrat entlastet werden wird.

          Der Minderheitsgesellschafter, die von Hans Barlach geführte Medienholding, hatte deshalb alles darangesetzt, das Ende Mai eingeleitete Schutzschirmverfahren und den vorgeschriebenen Insolvenzplan zu verhindern. Denn mit Beginn eines Insolvenzverfahrens, das war allen Beteiligten klar, würde sich die Situation für den Minderheitsgesellschafter, der im Jahr 2007 gegen den Willen der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz in den Verlag eingestiegen war und seither versucht, an die Macht zu gelangen, verschlechtern. Bis zuletzt hatte der Hamburger Medienunternehmer eine regelrechte Klagelawine am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg losgetreten.

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