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Fall „Esra“ : Solidarität mit Maxim Biller

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Über hundert Autoren, Schauspieler, Verleger und Künstler fordern die Aufhebung des Verbots von Maxim Billers Roman „Esra“ und die Niederschlagung einer Schadensersatzforderung. Eine Solidarisierung, wie sie lange kein deutscher Schriftsteller erfahren hat.

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          Es geht um 100.000 Euro und um das Verbot eines Romans in Deutschland. Es geht um die Existenz eines Schriftstellers, den Kolumnisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Maxim Biller, und seinen Roman „Esra“, der von deutschen Gerichten verboten wurde, weil sich zwei Frauen darin wiederzuerkennen glauben. Im August soll es vor dem Landgericht München I jetzt auch noch zu einem Schadensersatzprozeß kommen. Die Forderung der Klägerinnen: 100.000 Euro. Doch jetzt haben im Rahmen einer so massiven Solidarisierung, wie sie lange kein deutscher Schriftsteller erfahren hat, über hundert Autoren, Schauspieler, Verleger und Künstler einen Appell (www.kehayoff.com/gegenwaertig) unterzeichnet, der zur Aufhebung des Verbots und der Niederschlagung der Schadensersatzforderungen aufruft.

          In dem Aufruf heißt es unter anderem: „100.000 Euro: das ist eine Summe, welche, wenn er sie zahlen müßte, nicht nur Maxim Biller ruinieren würde. Es wäre der Ruin der Literatur, es wäre der Bankrott der Kunstfreiheit, wenn künftig jeder, der sich in einem Werk der Fiktion wiederzuerkennen glaubte, auf Schadensersatz klagte. Statt Lektoren wären Anwälte die ersten Gegenleser, statt um Qualität ginge es nur noch um Unangreifbarkeit. Wer ein Buch veröffentlichte, riskierte den Ruin. Unter solchen Bedingungen hätten weder ,Die Leiden des jungen Werthers' noch die ,Buddenbrooks' erscheinen können. So weit darf es nicht kommen. Der Deutsche P.E.N., der Börsenverein des deutschen Buchhandels und der Verband deutscher Schriftsteller haben sich gegenüber dem Bundesverfassungsgericht gegen ein Verbot des Buches ausgesprochen.“

          Unterzeichnet haben die beiden letzten deutschsprachigen Nobelpreisträger Elfriede Jelinek und Günter Grass, die Schauspielerinnen Iris Berben und Senta Berger, Helmut Dietl, Luc Bondy, Peter Zadek, Herbert Achternbusch, Jakob Arjouni, die Verleger Daniel Keel, Michael Krüger, Jörg Bong, Elisabeth Ruge und Bernd Lunkewitz, außerdem Fritz J. Raddatz, Sibylle Berg, Felicitas Hoppe, Anne Tismer, Michael Jürgs, Dani Levy, Idil Üner, Feridun Zaimoglu und viele andere. Und in der morgigen Ausgabe der F.A.Z. schreibt der Schriftsteller Daniel Kehlmann in einem persönlichen Aufruf: „An diesem Fall wird sich zeigen, ob man auf das Deutschland des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts später einmal mit Amüsement, Spott und Hohn zurückschauen wird, als auf ein Land, in dem ein Autor vernichtet werden konnte, weil seine Romane jemandem weh taten.“ (Siehe auch: Daniel Kehlmann zum Fall „Esra“)

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