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Fälschungsverdacht : Fast die Hälfte wird verworfen

Die Ausstellung "Russische Avantgarde im Museum Ludwig · Original und Fälschung Fragen, Untersuchungen, Erklärungen" im Museum Ludwig. Bild: dpa

Das Museum Ludwig untersucht seine Sammlung russischer Avantgardisten. Die Ausstellung dokumentiert, mit welchen Methoden die Echtheitskritik belastbare Urteile erreichen kann.

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          Im März 2018 verurteilte das Landgericht Wiesbaden den Eigentümer einer Wiesbadener Galerie wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Das Gericht sah es in drei Fällen als erwiesen an, dass er als Werke der russischen Avantgarde deklarierte Objekte in dem Wissen verkauft hatte, dass sie falsch ausgezeichnet waren. Überraschenderweise nahm der Geschäftsmann das Urteil mit Genugtuung auf. Per Pressemitteilung ließ er einen kühnen Umkehrschluss verbreiten: Die übrigen mehr als 1800 Werke aus seinem Besitz, die das Bundeskriminalamt fünf Jahre zuvor beschlagnahmt hatte, seien vom Gericht „als authentisch akzeptiert worden“. Das war natürlich Unsinn, weil es zum Großteil der konfiszierten Ware keinen Beweis erhoben hatte. Gleichwohl wurde auch in der internationalen Kunstpresse vermeldet, dass die Urheberschaft der allermeisten strittigen Werke nicht habe geklärt werden können.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Im Prozess hatte der Angeklagte zum Beweis seines guten Rufes darauf verwiesen, dass er 1993 zehn Bilder an das Museum Ludwig in Köln verkauft hatte. Der Verkauf war über einen Mittelsmann erfolgt, aber das ist im Kunsthandel noch kein Indiz der Unsauberkeit. Drei der zehn Bilder zeigt das Museum Ludwig jetzt im Rahmen einer Sonderausstellung. Alle drei Werke schreibt es nicht mehr den Künstlern zu, als deren Arbeiten Peter Ludwig sie erworben hatte, El Lissitzky, Alexander Wesnin und Ljubow Popowa.

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