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Springer und Facebook : Dealmaker

Jetzt mit noch mehr professionellen Nachrichten: In Deutschland startet das Programm „Facebook News“. Der Springer-Verlag hat seinen eigenen Vertrag abgeschlossen. Bild: Reuters

Heute startet „Facebook News“ in Deutschland. Kurz zuvor hat Springer einen Vertrag mit dem Digitalkonzern geschlossen. Ist das ein „Meilenstein“ für die Branche, wie Springer-Chef Döpfner meint?

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          Bei der Nachricht denkt man im ersten Augenblick: Jetzt hat es auch Springer erwischt. Genauer gesagt: Jetzt hat Facebook auch den dicksten Fisch an Land gezogen und macht seinen Schnitt mit der Verwertung von Presseinhalten im Internet. Den Deal, der diesen Schluss nahelegt, verkündete Axel Springer am Montagnachmittag. Man habe sich, heißt es da, „auf eine globale, vor allem auf Distribution ausgerichtete Kooperation verständigt“. Inhalte von Springer sollten „vermehrt in verschiedenen Angeboten der Plattform verbreitet werden“, auch bei „Facebook News“. Videoinhalte würden verstärkt auf Facebook geteilt. Ausdrücklich ausgenommen davon sei „das zukünftige Presseleistungsschutzrecht“.

          Auf diesen Satz kommt es an. Stünde er nicht in der Absichtserklärung der Unternehmen, müsste man annehmen, Springer sei von allen guten Geistern verlassen. Ist der Verlag aber nicht. Man darf den Deal wohl vielmehr so interpretieren, dass Springer von Facebook künftig Geld für Inhalte erhält, die ohnehin auf der Social-Media-Plattform unterwegs sind, ohne dass der Verlag dafür bislang einen Cent sieht.

          Wenn stimmt, was der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner sagt, nämlich, dass diese „globale“ Kooperation mit Facebook „ein strategischer Meilenstein für unser Haus und die ganze Branche“ ist, sollten alle anderen Verlage, die für das heute auch in Deutschland startende Programm von „Facebook News“ Verträge geschlossen haben (darunter der Verlag der F.A.Z.), ins Kleingedruckte schauen und prüfen, ob ihre Konditionen dem entsprechen, was Springer herausgeholt hat. Als marktbeherrschender Konzern wäre Facebook verpflichtet, seine einzelnen Geschäftspartner bei gleichartigen Vereinbarungen nicht nach Lust und Laune besser- oder schlechterzustellen.

          Ratsam ist es, Rechte, über deren Verwertung man mit Facebook abschließt, einzeln aufzurufen und – sie scharf vom Urheberrecht und Leistungsschutzrecht abzugrenzen. Auf diese Weise ließe sich der Kardinalfehler der Verlage, ihre Inhalte im Netz gratis abzugeben, auf dass sich die Digital-Oligopolisten an ihnen mästen, ein wenig lindern.

          Dass Facebook überhaupt bereit ist, Deals zu schließen, zeigt, wie wichtig es ist, wachsame Kartellwächter zu haben und eine Gesetzgebung voranzutreiben, die Digitalkonzerne zwingt, sich in einen Rechtsrahmen zu fügen. Australien hat es vorgemacht, die Bundesregierung tut sich damit bei der Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie denkbar schwer.

          Die Worte, welche die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg für den Deal findet – „Menschen, die auf Facebook nach Nachrichten suchen, sollten Zugang zu Inhalten haben, die die Vielfalt und Tiefe der Themen abdecken, die für sie am wichtigsten sind“ –, mag man blumig finden. In einem Punkt verdient Sandberg Zustimmung, nämlich darin, dass man „eine noch größere Auswahl an verlässlichen journalistischen Inhalten von einer Vielzahl an Medienmarken“ biete. Beziehen wir das auf die gesamte unabhängige Presse bei „Facebook News“, dürfte man von einem „Meilenstein“ sprechen – für die Demokratie.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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