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Facebook : „Hallo, auch noch wach?“

  • -Aktualisiert am

Auf Facebook ist alles erlaubt - außer einsam Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Vorstellung, nächtelang vor Facebook zu sitzen und zu gucken, wer wen als Freund hat, wer welche Fotos von sich veröffentlicht, welcher Beziehungsstatus sich wann verändert, stößt viele ab. Ein Versuch mit dem Netzwerk verspricht aber noch andere Erkenntnisse.

          Neulich fragte ich meinen Bruder, ob ich etwas verpasse, wenn ich nicht bei Facebook Mitglied sei. „Na ja“, sagt er, „der A. ist heute Vormittag in München eine Flasche Olivenöl runtergefallen, zwei Stunden später hatte sie 96 Kommentare zu diesem Vorfall.“ Das war der Augenblick, an dem für mich feststand: Ich muss dabei sein!

          Wenig später hatte ich mich angemeldet. Und kurz darauf schon sieben Freunde, und als die Sonne unterging, was in diesen Tagen früh geschieht, waren es schon siebzehn. Siebzehn Freunde! Das war doch schon mal etwas. Auch wenn ich mit etwa der Hälfte verwandt war. Und auch wenn man den Begriff Freund bei Facebook vielleicht besser in Anführungszeichen setzen sollte, ähnlich wie das Wort „tall“ bei Starbucks.

          Facebook ist kein Land

          Die Anführer der Globalisierung zeichnen sich ja nicht zuletzt dadurch aus, dass sie Wörtern des allgemeinen Sprachgebrauchs einen neuen Sinn aufdrücken. Die Bechergröße „tall“, also groß, bedeutet bei Starbucks das genaue Gegenteil, nämlich klein. Und ein Freund ist im sozialen Internetnetzwerk von Facebook jeder, der nicht explizit kein Freund ist. Also tatsächlich so gut wie jeder. Heute, am Tag zwei meiner Mitgliedschaft, habe ich 27 Freunde. Heute, beim grauen Licht des Tages betrachtet, kommt mir das sehr wenig vor (Nachtrag zehn Minuten später: jetzt sind es 31, immerhin).

          Es ist nicht so, dass Facebook eine neue Sache wäre. Vor vier Jahren von einem Harvard-Studenten gegründet und zunächst nur als Online-Kontaktbörse für Kommilitonen gedacht, beteiligen sich heute, Stand vom 7. Januar, 150 Millionen Menschen auf der ganzen Welt daran, die Hälfte davon, laut Facebook-Website, täglich.

          Es ist also auch nicht so, dass es noch ein Geheimtipp wäre. „Wenn Facebook ein Land wäre“, schreibt der Gründer der Organisation, Mark Zuckerberg, der in Harvard übrigens Psychologie studiert hat, „wäre es auf Platz acht der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, vor Japan, Russland und Nigeria.“ Facebook aber ist kein Land. Es ist ein neben der realen Welt real existierendes Paralleluniversum, in dem einige meiner Freunde (darunter auch einige ohne Anführungszeichen) seit Monaten leben. Und es werden immer mehr.

          Wer nicht dabei ist, ist eben auch nicht dabei

          Die schönste Facebook-Geschichte, die ich kenne (neben der von Mark Zuckerberg, der mit 23 Jahren der jüngste Milliardär ist, den die Forbes-Liste je führte), handelt von einer 62-jährigen, die via Facebook ihren neuen Freund kennengelernt hat. Er ist siebzig Jahre alt, (sieht aber, ich habe mir das Porträtfoto auf seiner Seite angeguckt, wirklich viel jünger aus). Sie hatten einen gemeinsamen Facebook-Freund, so etwas wird einem auf Facebook bekanntgegeben, und so trafen sie sich über diesen wie auf einer virtuellen Cocktailparty. Sie machten ein paar Monate lang virtuellen Smalltalk und verabredeten sich schließlich im richtigen Leben, wo sie ein richtiges Liebespaar wurden. Das klingt zunächst einigermaßen erstaunlich - man würde auf Facebook vor allem junge Menschen vermuten, aber tatsächlich sind die über 35-Jährigen derzeit die Gruppe mit dem stärksten Mitgliederzuwachs bei Facebook.

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