https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/facebook-achtung-satire-13106074.html

Facebook : Achtung, Satire!

  • -Aktualisiert am

Hört sich nach Satire an, ist es aber nicht: Facebook möchte uns jetzt helfen Ironiesignale zu erkennen, wie auch Wahrheit und Fiktion von einander zu unterscheiden. Bild: AFP

Wie Facebook uns vor Witzen schützt: Das soziale Netzwerk möchte seinen Usern jetzt probeweise Warnhinweise bei Inhalten ironischen oder satirischen Charakters geben. Wirklich, ist kein Scherz.

          2 Min.

          Jetzt aber mal Schluss mit lustig, sagt Facebook und tut einen weiteren wertvollen Schritt hin zum Schutz seiner Freunde und Schutzbefohlenen, die es schon vor anzüglichen Bildern wie denen stillender Mütter und anderen Grausamkeiten bewahrt. Aber jetzt will das Netzwerk auch dafür sorgen, dass niemand mehr jenen hinterhältigen sprachlichen Trickbetrügern in die Schlinge geht, die ohne Netz oder auch mit Netz, aber auf jeden Fall mit doppeltem Boden arbeiten, und das, so die schlichte Computer-Logik: um Unwahrheiten zu verbreiten. Lügen! Falschmeldungen! So schreit der Algorithmus, wo der Mensch sagt: Mensch, das ist doch Satire. Ironie. Ein Witz, verstehst du nicht, du dumme Maschine? Versteht sie nicht, jedenfalls nicht die Facebook-Maschinerie.

          Und weil sie offenbar zur Prämisse hat, dass wir alle so doof sind wie sie, tackert sie in Amerika nun probeweise einen Warnhinweis neben alles im Newsfeed, was nicht ernst gemeint sein könnte, und der sieht so aus: \[SATIRE\]. Danke, Facebook. Als Erste hat es Schlagzeilen des amerikanische Satire-Magazin „The Onion“ erwischt, und das, so ein Sprecher von Facebook, weil „Nutzer uns mitgeteilt haben, dass sie sich eine Möglichkeit wünschten, eindeutig zwischen satirischen und anderen Artikeln zu unterscheiden“. Wie wäre es da mit kurz nachdenken? Könnte die Leute insgesamt anarchisch machen, solche Art mentaler Fitnessübung, mag man sich im Silicon Valley denken, also mal besser warnen vor Witzen. Und war da nicht damals was mit Freud, dem Witz und dem Unbewussten? Gefährlich, gefährlich, am Ende ist das nicht jugendfrei.

          Netzwerkausfall bei Tragikomisches?

          Zugegeben, auf Satire ist schon so mancher hereingefallen. Vor ein paar Wochen erst übernahm ein russischer Fernsehsender vom „Postillon“ die Meldung, dass ein Wirt nach dem 7:1-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Brasilien pleite gegangen sei, weil er jedem Gast einen Schnaps für jedes Tor der Deutschen versprochen habe. Auch die Seniorenklappe für in die Jahre gekommene Mitbürger war durchaus nicht ernst gemeint. Oder doch? Facebook wird es wissen. Die Frage ist nur: Nach welchen Kriterien sortiert das niedliche Programm die Welt in ernst und komisch? Folgt der totale Netzwerkausfall, wenn es auf etwas Tragikomisches trifft? Oder schon bei der Begegnung mit einem weinenden Clown?

          Und was passiert, wenn es etwas Ernstes fälschlich zu Satire erklärt? Vielleicht ist die ganze Geschichte aber auch ein firmeninternes Verklappungsprogramm für besonders humorlose Mitarbeiter, die nun stumpf \[Satire\]-Tags verteilen. Wir stellen sie uns so vor, wie „The Onion“ einen bemitleidenswerten User in Doyleston, Pennsylvania, beschreibt: Dauergefrustet stammele er Sätze wie: „Ich mag es, mir Sachen auf Facebook anzuschauen, aber vieles verstehe ich nicht. Hilfe, bitte!“ Könnte sein, dass das keine \[SATIRE\] war.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Weitere Themen

          34 Jahre Haft für kritische Tweets

          Saudische Studentin : 34 Jahre Haft für kritische Tweets

          Saudi-Arabien hat eine junge Frau zu 34 Jahren Haft verurteilt, weil sie auf Twitter Kritik an männlicher Vormundschaft geübt hatte. Es ist die härteste Strafe, die je gegen eine Kritikerin des Regimes verhängt wurde.

          Videokunst im Beat des Lebens

          John Sanborn im ZKM : Videokunst im Beat des Lebens

          Das ZKM in Karlsruhe widmet dem amerikanischen Videokünstler John Sanborn eine Retrospektive. Sie zeigt ihn als Pionier und Meister vieler Klassen, den nun existenzielle Fragen umtreiben.

          RBB legt Bonuszahlungen offen

          Nur nicht für Schlesinger : RBB legt Bonuszahlungen offen

          Der RBB veröffentlicht die Bonuszahlungen für sein Spitzenpersonal. Bis dato wurde bestritten, dass es sie gibt beziehungsweise: Sie waren geheim. Die Zusatzverdienste sind beträchtlich. Und ein Name fehlt in der Gehaltsliste.

          Topmeldungen

          Home of the Bonuszahlungen: der Sitz des RBB an der Berliner Masurenallee.

          Nur nicht für Schlesinger : RBB legt Bonuszahlungen offen

          Der RBB veröffentlicht die Bonuszahlungen für sein Spitzenpersonal. Bis dato wurde bestritten, dass es sie gibt beziehungsweise: Sie waren geheim. Die Zusatzverdienste sind beträchtlich. Und ein Name fehlt in der Gehaltsliste.
          Darauf ein Eis am Stiel: Warren Buffett und Berkshire Hathaway haben kräftig investiert.

          Aktienmarkt : Zwischen Optimismus und Besorgnis

          Die Stimmung der Aktienprofis wird besser. Einige Großinvestoren wie Warren Buffett haben sich ohnedies nicht schrecken lassen. Viele Analysten bleiben aber skeptisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.