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F.S.K. : Afrogermanisches Experiment: „First Take Then Shake“

  • -Aktualisiert am

Forschungsformation mit Groove: „F.S.K.”, ergänzt um Anthony 'Shake' Shakir Bild: Disko B

Angewandte Musikwissenschaft mit dem Forschungsinstrument Band: Auf ihrem elften Album untersuchen „F.S.K.“ schwarze Musik. Mit dabei: der afroamerikanischen Technoproduzenten Anthony 'Shake' Shakir.

          2 Min.

          Seit mehr als 20 Jahren betreiben „Freiwillige Selbstkontrolle“, die Band des Schriftstellers und Musikers Thomas Meinecke, ihre eigene Form angewandter Musikwissenschaft. Das Interesse der fünf Münchner Musiker, die neben ihrer Tätigkeit bei „F.S.K.“ alle auch in anderen Kulturbereichen tätig sind, konzentriert sich dabei auf musikalische „transatlantische Rückkopplungen oder Feedbacks“, wie Meinecke sagt.

          Also Musik, die ursprünglich aus Europa stammend, in Amerika in ihrer Form mutierte und nun über den Atlantik als Echo zurückkommt. So kombinierten „F.S.K.“ texanische Jodelmusik mit bayrischen Zitherklängen, nahmen eine neue Version des G.I.-Songs „I Wish I Could `Sprechen Sie Deutsch´“ auf und probierten Polka, Cajun und Folkmusik miteinander aus. Bei jedem Stilwechsel wurde das Material einer genauen Analyse unterzogen. Es sind die Brüche, Nahtstellen und Kontextwechsel eines Musikstils, die „F.S.K.“ interessieren. Themen, die sich auch in den Romanen des Suhrkamp-Autors Meinecke wiederfinden.

          Trotz popgeschichtlicher Verweisdichte kein Schwächeln

          Trotz pop- und volksmusikalischer Forschung sind „Freiwillige Selbstkontrolle“ kein wissenschaftliches Projekt: „Impuls für unser Schaffen ist immer die Rezeption von Musik, die wir mögen“, sagt Thomas Meinecke. Eine Fanhaltung, mit der der Zufluß neuen Materials auf lange Zeit gesichert blieb. Zuletzt waren es die Stile Techno und Housemusic, deren Einfluß sich bereits auf den beiden Alben „Tel Aviv“ (1998) und „X“ (2000) deutlich bemerkbar machte und dem auch das neue und mittlerweile elfte Album „First Take Then Shake“ geschuldet ist.

          F.S.K. meets Anthony 'Shake' Shakir: „First Take Then Shake” (Cover)

          Ursprünglich geplant mit dem Arbeitstitel „Black Music“, erzählt das Album die Geschichte „schwarzer“ Musik. Und so finden sich neben einer Hommage an die in Vergessenheit geratene Discoband „Doctor Buzzard's Original Savannah Band“ auch ein Exkurs über „Blues And The Abstract Truth“. Ebenso wie eine Soulballade über das Weiterleben der verstorbenen Sängerinnen Aaliyah und Lisa Lopes in der Musik des R'n'B und beschwingte Technotracks. Das die Musik von „F.S.K.“ unter der Komplexität aller popgeschichtlichen Anspielungen und Verweise und andauerndem Namedropping nie schwächelt, stellt das große musikalische Können der nach fast 25jähriger Bandgeschichte immer noch wöchentlich probenden Band unter Beweis. Hakte der Groove dann doch noch manchmal, half der Detroiter Technomusiker Anthony 'Shake' Shakir nach.

          Das nächste musikwissenschaftliche Kapitel: ein Roman

          Um das eigene Schaffen auf die Probe zu stellen und an einer anderen Instanz zu messen, wie „F.S.K.“-Texter Thomas Meinecke sagt, entschloß man sich, die für „Black Music“ bereits eingespielten Stücke noch einmal überarbeiten zu lassen. Nach Möglichkeit von einem afroamerikanischen Technoproduzenten. Schnell einigte man sich auf Anthony Shakir, dessen zahlreiche Veröffentlichungen die fünf Münchner sehr schätzen.

          Mit einem Sampler im Gepäck reiste der in Deutschland weitgehend unbekannte Shakir nach Weilheim ins Studio der Gruppe und bearbeitete dort etwa die Hälfte der Stücke der mittlerweile zu „First Take Then Shake“ umbenannten Platte. Das Gelingen des afrogermanischen Experiments läßt sich beim Hören des großartigen Albums nachvollziehen. Man darf also gespannt sein auf das nächste Kapitel der angewandten Musikwissenschaft, das im kommenden Herbst erscheint: Meineckes neuer Roman „Musik“.

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