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Heinz Janisch: Der König und das Meer : Ich dulde keinen Widerspruch, Trompete!

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Jedes Kind will irgendwann König sein, und Eltern tun gut daran, diesen Wunsch hin und wieder zu erfüllen. Welche Funken sich im Bilderbuch daraus schlagen lassen, zeigen Heinz Janisch und Wolf Erlbruch in einer fulminanten Gemeinschaftsarbeit.

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          Dass man nicht immer alles haben kann, was man will, ist durch die Populärmusik verbürgt; dass man es aber trotzdem versuchen muss, auch. Der König, um den es in diesem fabelhaften Buch voller Kürzestgeschichten geht, macht diese Erfahrung beinahe auf jeder der Doppelseiten, die eine abgeschlossene Erzählung aus seiner Welt enthalten.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Das klingt dann zum Beispiel so: „,Glaub nur ja nicht, dass du hier das Sagen hast', sagte der König zur Müdigkeit. ,Ich bin der König, und ich entscheide, wann ich müde werde.' Er musste gähnen. ,Deine ganzen Tricks werden dir nichts helfen!', rief der König und setzte sich kerzengerade auf. ,Ein König lässt sich nicht von anderen sagen, was er zu tun hat!' Der König redete noch eine Weile auf die Müdigkeit ein, aber sein Kopf wurde immer schwerer. Plötzlich rutschte ihm die Krone vom Kopf. ,Hoppla', dachte er noch, als er sie auffing. Dann fielen ihm die Augen zu.“

          Man muss diese Geschichte (und die anderen in diesem Buch) langsam lesen, um Heinz Janischs Kunstfertigkeit richtig würdigen zu können, dieses feine Spiel zwischen dem königlichen Anspruch und der unerbittlichen Macht der Müdigkeit, von dem wir wissen, wie es ausgehen wird, der König vermutlich auch, und dem der bockige Monarch doch alles entgegenhält, was er nur halten kann. Denn selbst wenn die Krone vom Kopf rutscht, fängt er sie auf, als letzte Rebellion gegen einen übermächtigen Widersacher.

          Heinz Janisch
          Heinz Janisch :

          Manchmal aber tritt ihm die Welt ebenso skeptisch gegenüber

          Und natürlich trägt diese Rebellion ausgesprochen kindliche Züge, so wie man Kinder zum Geburtstag mit Kronen aus Goldpapier krönt und man jedem Kind dann und wann das Königsein gönnt in all dem Gehorchenmüssen. Janischs König entwickelt dann auch eine pragmatische Haltung zu den Dingen, die sich seinen Befehlen fügen oder eben nicht: Die widerborstige Trompete, die auf dem Tisch liegt und trotz Aufforderung keinen Ton von sich gibt, spurt erst, als der König sie an den Mund setzt: „Du willst wohl nicht allein spielen“, kommentiert er das, und fügt noch ein „na, meinetwegen“ hinzu. Und wenn sich die Katze in der Sonne streckt und ihn als Autorität ignoriert, legt er sich eben daneben, um sich ebenfalls wärmen zu lassen.

          Dies alles findet von Episode zu Episode seinen Ausdruck in den überwältigenden Bildern Wolf Erlbruchs. Gewohnt sparsam, ästhetisch „Ente, Tod und Tulpe“ vergleichbar, zeigen Erlbruchs Collagen den Monarchen meist in scharfer Trennung von dem jeweiligen Gesprächspartner, also von Eichhorn, Meer, Geist oder Wolke. Der Körper ist gespannt, ganz auf sein Gegenüber bezogen, der König reckt die rote Nase in die Luft, als heische er Respekt für seine Person oder nähme mit aller Macht Witterung auf.

          Am eindrucksvollsten aber sind die königlichen Augen, die mal weit aufgerissen, mal halbrund geschlossen sind und dann die abwartende Haltung zur Welt unterstreichen. Manchmal aber tritt ihm die Welt ebenso skeptisch gegenüber: „,Es gibt keine Geister', sagte der König zum Geist. ,Und ich dachte, es gibt keine Könige', sagte der Geist. ,Dann hat sich eben einer von uns geirrt', sagte der König. ,Sieht ganz so aus', sagte der Geist und begann mit der Geisterstunde.“

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