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Gabi Kreslehner: „Charlottes Traum“ : Ich lieb dich trotzdem, muss ja

Bild: Beltz & Gelberg

Eine seltene Mischung von Genauigkeit, Eigenwilligkeit, Einfühlungsvermögen und Respekt vor dem Seelenleben Fünfzehnjähriger: In „Charlottes Traum“ von Gabi Kreslehner müssen Kinder schnell erwachsen werden - weil auf ihre Eltern kein Verlass ist.

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          Es geht um große Gefühle in diesem Buch: ums Verlassensein und um die erste Liebe. Das kann ziemlich schiefgehen. Dass es im Jugendroman „Charlottes Traum“ glückt, dafür sorgt die Autorin Gabi Kreslehner mit einer seltenen Mischung von Genauigkeit, Eigenwilligkeit, Einfühlungsvermögen und Respekt vor dem Seelenleben ihrer fünfzehnjährigen Helden.

          Dabei ist deren Konstellation zunächst klassisch bis zum Klischee: Carlo, Halbitaliener mit weichem Blick, ist neu in der Klasse. Alle Mädchen beneiden Charlotte darum, in seiner Nähe zu wohnen. Und der Sulzer, der unglücklich verliebte Klassenclown, muss zusehen, wie sich die beiden immer näher kommen. Natürlich wirft sich die Klassenschöne erst Carlo an den Hals und dann Charlotte in den Weg, und natürlich geraten die beiden Jungen erst einmal aneinander und werden anschließend Freunde.

          Nicht Liebe, sondern Verlusterfahrung

          Aber das war es auch schon mit der Absehbarkeit. Denn was Charlotte und Carlo verbindet, ist zunächst nicht die Liebe, sondern der Verlust: Ihr Vater hat etwas mit einer anderen, und ihre Mutter hat ihn mit den drei Kindern verlassen. Sein Vater hingegen ist in Italien bei einem Unfall gestorben, und die Mutter hat den Sohn mit zurückgenommen in ihre Heimat, nach Österreich.

          Auch der Sulzer hat durch seine überforderten Eltern mit einer ganz eigenen Verlassenheit zu kämpfen. Und ist im Übrigen nicht nur frech, sondern auch ziemlich aufgeweckt. Der Nachbar, der Charlottes Mutter schöne Augen macht und bei dem die vier nach einiger Zeit einziehen, ist sogar ganz nett. Und die Erzählerin selbst ist nicht nur Opfer und Engel – zum Glück muss sie nicht einmal, wie sonst in Trennungsgeschichten gemeinhin üblich, den kleinen Brüdern übermäßig Halt geben.

          Ein Buch der Zwischentöne und des Zwiespalts

          „Charlottes Traum“ ist ein Buch der Zwischentöne und des Zwiespalts. Das Mädchen sieht nicht nur entgeistert zu, wie der Sulzer im Supermarkt randaliert, es reizt sie auch selbst. Als die Mutter den Nachbarn doch wieder verlässt und Charlotte wutentbrannt zum Vater ziehen will, was dieser ablehnt, mischen sich ihre Wut, heimliches Verständnis und tiefere Verbundenheit mit ihm: „Comicfigur, dachte ich, lieb’ dich trotzdem, muss ja“. Und die Liebesszenen sind nicht nur rosarot, sondern auch nervös, ein bisschen cool, ein bisschen albern – und gerade deshalb wunderbar.

          Ein-, zweimal übersteigen die Lyrismen der Erzählerin die Möglichkeiten und den Mutwillen einer Jugendlichen. Doch das verblasst vor den Stärken des Buches, vor seiner emotionalen Balance und seiner sprachlichen Klarheit.

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