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Extremtrends 2012 : Wie es weitergeht

Bild: F.A.Z.

Kaum haben wir das alte Jahr hinter uns, mehren sich die Zeichen, dass neue Krisen, Krankheiten und Kulturkarambolagen unvermeidlich sind. Ein Vorab-Ereignis-Kalender zum Aufheben.

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          Nach dem „bedingungslosen Grundeinkommen“ wird nächstes Jahr eine radikalisierte Version, das „grundlose Bedingungseinkommen“, breit diskutiert werden, besonders im Internet - Ansatz: Alle kriegen immer wieder kleinere Summen frischen Geldes bar ausbezahlt, dürfen es aber nur „bedingt, also vor allem bitte sinnvoll“ (Angela Merkel) ausgeben.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Wegen des weltweiten Riesenerfolges von Twitter entwickeln drei vierzehnjährige halb-autistische Startup-Genies in Redondo Beach (Kalifornien) eine Plattform namens „HyPhen“, bei der man sich nur noch mit einzelnen Satzzeichen, griechischen mathematischen Symbolen und diesen Schnörkeln, die für gewisse Währungen stehen, über alles mögliche austauscht. So wird es dort etwa zur nächsten globalen Wirtschaftskrise, die nach der Hypotheken-, Banken-, Kredit- und Eurokatastrophe heraufzieht, nämlich der von Hochleistungsarithmetikern im Dienst der führenden Ratingagenturen festgestellten „Krise der Grundrechenarten“ (Addition passt nicht mehr zusammen, Division fällt durch, Subtraktion macht ein starkes Minus und Multiplikation ergibt immer nur Meinung) in den meisten Beiträgen heißen: „!“.

          Die Rückkehr des mechanischen Klaviers

          Die Vita der drei „HyPhen“-Gründer kommt schon im Frühjahr als komplett am Computer animierter Disney-Film in die Kinos, den man, weil 3D bei jugendlichen Kinobesuchern inzwischen nur noch Gähnkrämpfe auslöst, als psychedelischen Riechfilm anbietet, bei dem allerdings so schwere neurologische Schäden auftreten, dass das gesamte Klassifikationssystem für psychische und das Verhalten betreffende Defekte bei Kindern und Jugendlichen überarbeitet werden muß und man statt etwa ADD (“Attention Deficit Disorder“) inskünftig von „CIAEBCBDMAAPI“ (“Complete Intellectual And Emotional Breakdown Caused By Digital Media Absurdities And Parental Incompetence“) zu reden verpflichtet ist.

          Eine neue Runde von verstörenden Sexskandalen bei der Weltbank, der UNO, im Vatikan, der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten, der Church of Scientology und der Freiwilligen Feuerwehr von Passau geht wegen Übersättigung insbesondere der Online-Info-Elite und sonstiger Stubenhocker folgenlos an der Weltöffentlichkeit vorüber. Mehrere deutschsprachige Rapper machen durch halbgare Sauereien und anschließende religiöse Bekehrungen auf sich aufmerksam, können aber die Abschaffung der CD bei gleichzeitiger Wiedereinführung von mechanischen Klavieren mit Notenwalzen in führenden europäischen und amerikanischen Clubs nicht verhindern, mittels welcher die Musikindustrie ihren kompletten Zusammenbruch abwehren will: „Wir machen das jetzt mal, vielleicht bringt es ja sogar was“, erklärt ein Sprecher von Universal, der vorher bei der Weltbank war, dort aber wegen ziemlich schlimmer „Sachen“ (“taz“) seinen Abschied nehmen musste, die er aus Versehen zu Ostern auf Facebook postet, woraufhin er sich auf „HyPhen“ mit einem die Herzen rührenden „$“ entschuldigt.

          Aktien in Kraniche und Pantomime

          In den arabischen Ländern kommt nach dem demokratischen Frühling der restlos bekiffte Sommer auf, alle ziehen sich aus, singen mit verwaschenen Stimmen ausgesprochen harmlose Lieder über die Erde und all die kleinen Tierchen, die auf ihr herumkrabbeln, und statt Diktatoren gibt es diverse Mamas und Papas, die sich für Erdöl gar nicht mehr richtig interessieren.

          Überhaupt greift nach den Energiesorgen sowie Rohstoff-Hypes (Gold und Verwandtes) der letzten Jahre 2012 ein neues Interesse an eben nicht primären und elementaren, sondern abgeleiteten Hervorbringungen von Natur und Zivilisation um sich, die Menschen investieren statt in Erz, gigantische gefälschte Gemälde von toten Surrealisten oder Aktien lieber in Whisky, Origamikraniche und Straßenpantomime.

          Politische Comebackversuche unterschiedlicher Reichweite und Brisanz unternehmen mit langen, aber überwiegend nur als e-Books verbreiteten Interviews der längst vergessene Exminister Krause (CDU? Kann sein), Frau Ypsilanti (schrieb die sich überhaupt so? Es kommt einem komisch vor) und Frank Zander, dessen dann allerdings nicht recht vom Fleck kommendes Comeback indes nur von ihm selbst als politisch eingestuft wird.

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