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Expo in Schanghai : Wie gut es riecht in Deutschland!

  • -Aktualisiert am

Blick auf den deutschen Pavillon vom Nachbarland Frankreich aus Bild: dpa

Der Westen spottet über die Weltausstellung von Schanghai, doch China entdeckt im universalen Prinzip der Technikleistungsschau ein ideales Feld für seine Ambitionen und Interessen.

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          In der westlichen Öffentlichkeit hat es sich bereits eingespielt, die Expo von Schanghai mit Geringschätzung zu bedenken: China benutze ein Auslaufmodell, um ein weiteres Mal seine Großmannssucht zu befriedigen. Der Nationalismus, der Fortschrittsoptimismus und die Fixierung auf physische Gegenwart (als ob es keine elektronischen Medien gäbe!), die die Weltausstellung aus dem neunzehnten Jahrhundert übernommen habe, passe nicht mehr in die heutige Zeit - und nur China habe das noch nicht mitbekommen. Doch man könnte auch und mit mehr Recht das genaue Gegenteil sagen: Wenn eine Weltausstellung überhaupt wieder einen Sinn hat nach ihren heroischen Gründertagen, dann in China.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Weltzusammenhang, den eine Expo herstellt, hat in diesem Land, das sich jahrtausendelang als eine Welt für sich verstand und nun einen rapide wachsenden Einfluss ausübt, nichts Selbstverständliches, geschweige denn Abgestandenes. Bei den chinesischen Besuchern der Expo zeigt sich eine selbst nach zweistündigem Schlangestehen gutgelaunte Neugier auf andere Länder, wie sie bei tourismuserfahrenen Europäern schwer vorstellbar ist.

          Amerika zeigt Amerikaner bei ihren Versuchen, chinesisch zu grüßen

          Natürlich führen die von kommerziellen Interessen durchsetzten Inszenierungen der jeweiligen Regierungen nicht die „Realität“ der Welt vor. Doch der Wettkampf der Selbstbilder ist ein Spiegel der aktuellen Weltordnung eigener Art: Er informiert über die Fähigkeit der Länder, ein stimmiges Konzept ihrer selbst im Verhältnis zum Rest der Welt zu entwerfen. Wie die Pavillons Amerikas und Großbritanniens zeigen, hängt es vor allem von den Nationen selbst ab, ob dabei Anachronistisches herauskommt oder nicht.

          Erhaben und ästhetisch: Ein Expo-Besucher vor dem Pavillon Großbritanniens

          Im robusten Stahlbau der Amerikaner wird das Publikum durch drei unterschiedlich ausgestattete Kinosäle nacheinander geleitet. Im ersten sitzt man auf dem Boden und schaut in dem dort gezeigten Film Amerikanern bei ihren sympathisch verzweifelten Versuchen zu, auf Chinesisch „Willkommen!“ und „Guten Tag!“ zu sagen. Im Film des zweiten Saals - hier sitzt man auf Bänken - bezeichnen Barack Obama, Hillary Clinton und eine Reihe Kinder und Professoren Amerika als eine Nation von Einwanderern, die sich durch Vielfalt, Innovation und Optimismus auszeichne. Im dritten Saal schließlich - hier haben die Bänke sogar Lehnen - wird auf drei wolkenkratzerförmigen Leinwänden in einer Mischung aus Film, Schattenriss und Animation die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählt, das die ganze Nachbarschaft dazu bewegt, im düsteren Hinterhof Blumen zu pflanzen. Höhepunkt ist der Donnerschlag eines Wolkenbruchs, in dessen Folge tatsächlich Wasser von oben auf die Zuschauer tropft. Zum Schluss des Besuchs folgt ein Geschäft mit amerikanischen Merchandising-Artikeln.

          Großbritannien setzt auf die Begeisterung für bukolische Szenen

          Amerika interpretiert seinen Expo-Auftritt also als pures, mit allen technischen Möglichkeiten der Verführung arbeitendes „Nationen-Branding“, unfreundlicher formuliert: als Propaganda. Der britische Pavillon dagegen stellt gar keine Behauptungen auf. Es geht von der Tradition englischer Landschaftsgärten und einer von den Royal Botanic Gardens gegründeten Institution aus, um daraus einen Bau zu schaffen, der in seiner Nutzlosigkeit ebenso erhaben wie ästhetisch zwingend wirkt. Der stachlige Kubus besteht aus sechzigtausend Acrylstäben, in denen Samen aus der „Millennium Seed Bank“ enthalten sind, der weltweit größten Konservierungsanstalt für das Saatgut bedrohter Baum- und Pflanzenarten.

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