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Evolutionstheorie : Evolutionstheorie: Das Theorem vom großen Boss

Verdammt er die Evolutionstheorie? - Kardinal Schönborn Bild:

Immer wieder gibt es Streit über die Evolutionstheorie. Die Wissenschaft macht um Gott schon methodisch einen großen Bogen. Das hat die Suche nach Gottesbeweisen bis heute nicht verhindert.

          5 Min.

          Selbst einem Erzbischof platzt mal der Kragen. Und dann schützt auch Purpur nicht vor rhetorischem Mißgeschick.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So muß sich Christoph Kardinal Schönborn aus Wien in jüngster Zeit ziemlich über Versuche geärgert haben, aus der Darwinschen Evolutionstheorie ein atheistisches Weltbild abzuleiten. Sein in der New York Times formulierter Widerspruch hörte sich allerdings an, als verdamme der Kardinal die Evolutionstheorie selber.

          Die Blumen und der Gärtner

          Während die Kreationisten erwartungsgemäß Beifall klatschten, war man in der katholischen Welt eher peinlich berührt. Dort ist Darwin spätestens seit 1950 kein Thema mehr; damals hatte sich Pius XII. in seiner Enzyklika „Humani generis“, wenn auch noch recht vorsichtig, mit der Evolutionsidee befaßt. Warum soll sich Gott beim Schöpfen nicht eines so eleganten und effizienten Mechanismus bedient haben? Auch ein allmächtiger Gärtner würde doch seine Blumen selber wachsen lassen, statt sie Molekül für Molekül zusammenzubasteln.

          Das Problem ist nur: Kann man von den Blumen notwendig auf den Garten und damit auf die Existenz des Gärtners schließen? Daß der menschliche Geist in der Lage ist, hinter den Wundern der Biosphäre Gottes Hand zu erkennen, ergibt sich aus Nr.36 des aktuellen Katechismus. Allerdings wendet der sich ja an Leute, die bereits wissen, daß sie sich in einem Garten befinden. Für die anderen bräuchte man einen Gottesbeweis.

          Der unbeliebte Gottesbeweis

          Gottesbeweise aber haben heute keinen guten Ruf. Die Theologie mag sie nicht, weil sie allenfalls einen „Gott der Philosophen“ beweisen würden und nicht den „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, wie es Blaise Pascal formulierte. Und tatsächlich kann sich eine Ablehnung der Notwendigkeit außertheologischer Begründungen von Glaubensinhalten sogar auf Christus berufen, der dem ungläubigen Thomas ins Stammbuch schrieb: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh. 20, 29).

          Das hielt Philosophen allerdings nie davon ab, sich an Gottesbeweisen zu versuchen. Hochkonjunktur hatten solche Bemühungen im Mittelalter, das keinesfalls das rational unterbelichtete Zeitalter war, für das es manche halten. In Wahrheit war den christlichen Denkern viel an der Vernunft gelegen. Deswegen waren sie ja so sehr darauf aus, zu zeigen, daß die Existenz Gottes, also eines in allen positiven Eigenschaften absoluten Wesens, auch dem einleuchten müsse, der die biblische Offenbarung nicht ohne weiteres akzeptiert.

          Existenz ist keine Eigenschaft

          Einig über die Gültigkeit solcher Beweise war man sich allerdings schon damals nicht. Das ging bei dem sogenannten „ontologischen Gottesbeweis“ des Anselm von Canterbury (1033-1109) los, dessen Idee auf Augustinus zurückgeht. Anselm bestimmte Gott als das Höchste, so hoch, daß darüber hinaus nichts Höheres gedacht werden kann. Solch ein Begriff läßt sich tatsächlich bilden, und man kann fragen, ob ihm auch etwas in der Wirklichkeit entspricht. Damit denkt der Fragende aber nicht nur an das gedacht Höchste, sondern schon an das wirklich Höchste. Und dieses ist doch wohl noch höher als das bloß gedachte. Das, über das hinaus nichts Höheres gedacht werden kann, muß es also in Wirklichkeit geben - einfach weil wir in der Lage sind, es auf den Begriff zu bringen.

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