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Evangelikale in Berlin : Was würde Rick Warren sagen?

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Der gesellschaftliche Einfluss der Kirche in den Vereinigten Staaten ist massiv. Rick Warren, gleichsam der Chef-Pastor hat sie in den frühen Achtzigern gegründet und leitet sie nach wie vor. Warren hält die Trennung von Kirche und Staat für falsch, er hat sich gegen die Homosexuellenehe ausgesprochen mit dem Argument, auch polygame und inzestuöse Beziehungen müssten gesellschaftlich geächtet bleiben.

Der fundamental-religiöse Hintergrund

Der dennoch nur als „moderat konservativ“ geltende Warren ist in Amerika eine relevante Figur des öffentlichen Lebens. Als Obama und John McCain im Sommer 2008 das erste Mal im Fernsehen miteinander diskutierten, noch vor den offiziellen TV-Duells, taten sie das bei Rick Warren, der die beiden Kandidaten in seine Saddleback Church eingeladen hatte.

Und wer ein wenig im Internet recherchiert, landet schnell bei der Anti-AIDS-Kampagne von Warrens Frau Kay, die sich zwar verhältnismäßig fortschrittlich für die Verwendung von Kondomen zur Begrenzung von HIV-Infektionen ausspricht, dann aber ganz schnell bei der altvertrauten Formel anlangt, nur monogame Zweierbeziehungen und Enthaltsamkeit bis zur Ehe könnten weitere Infektionen verhindern. Das alles ist im fundamental-religiösen und häufig rechtsgerichteten Teil der amerikanischen Gesellschaft keineswegs außergewöhnlich. Aber in Berlin?

Alle lesen in Rick Warren Lebenshilfe-Buch

Beim Eröffnungsgottesdienst war vom konservativen Wind aus Amerika wenig zu spüren. Fröhliche junge Menschen eilten auf die Besucherin, sie trugen Schilder mit der Aufschrift „Ask me, I can help“. Unter der Decke hing eine Leinwand, auf die ein Grußwort von Rick Warren projiziert wurde.

Er wirkt tatsächlich wie genau jene Mischung aus Tom Cruise, Ron Hubbard und Citizen Kane, die man sich vorstellt, wenn man die Bezeichnung „charismatischer Prediger aus den USA“ hört - also sympathisch, kollegial, ein bisschen raunzig und bestimmend, aber eben auch wie ein Kumpel, der weiß, was gut für die Leute ist und sie zum Lachen bringt über Deine kleinen täglichen Dummheiten und Schweinereien.

Nette Jesus-Witzchen auf Facebook

Auch eine Predigt von Warren wurde übertragen, eine Art Lebenshilfeunterricht. Es ging um Männer und Frauen und darum, wie man Weisheit erlangen könne: „No truth - no trust. No trust, no relationship!“ Warren hat auch ein Buch geschrieben, das auf Deutsch „Leben mit Vision“ heißt und in Amerika zwei Jahre lang die Bestsellerliste der „New York Times“ für Ratgeber anführte.

Man bemüht sich hier in Berlin um ein jugendliches, liberales Image. Der Facebook-Auftritt von Saddleback ist professionell. Mehrmals täglich posten die Mitglieder des Kirchen-Teams ihr Erstaunen über all die „amazing things“, die Gott in dieser Stadt tun wolle. Auf einem der Flyer sieht man ein nettes Hipster-Pärchen auf dem Tempelhofer Feld herum spazieren: „I love sundays“.

In der Facebook-Gruppe findet man unter Twitter-hashtags  nette Jesus-Witzchen, zum Beispiel in der Rubrik „Dinge, die Jesus niemals gesagt hat“: „Wenn Dir jemand auf die rechte Wange schlägt, polier ihm die Fresse.“ Es gibt allerdings auch Protest, eine offensichtlich gläubige Facebook-Userin: „Ich bin lesbisch und hasse Kirchen, die gay people nicht akzeptieren und eure dumme Einladung könnt ihr euch sparen.“

Nach dem Gottesdienst gefragt, was das Evangelikale für ihn bedeute, teilte Pastor Dave Schnitter gleich mit, man sei hier nicht so streng, „nicht gegen Schwule“ zum Beispiel. Es gebe schließlich so viele verschiedene Arten von Sünde - Gier und Neid etwa. Und hier gehe es vor allem um gemeinsames Glauben und Erleben.

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