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Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner : Konzept für die künftige Leitung der Bayreuther Festspiele

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Eva Wagner-Pasquier (l.) und Nike Wagner Bild: dpa

          11 Min.

          Tradition versteht sich von selbst in Bayreuth. Sie geht auf Richard Wagner zurück und wurde dann in der Stiftungssatzung von 1973 festgeschrieben: „Festliche Aufführungen der Werke Richard Wagners“. Für die Bewahrung des traditionellen Moments steht auch die spezifische Klangarchitektur des Hauses und die Weitergabe der Leitung an die Nachkommen Richard Wagners seit nunmehr 125 Jahren.
          An dieser Bestimmung wollen wir festhalten. Obwohl große Kunst keines „Alleinstellungsmerkmals“ bedarf, weil sie ihren eigenen geschichtlichen und ästhetischen Kosmos darstellt, stellt das Festspielkonzept Wagners ein musikgeschichtliches Unikat dar, an dessen Zielsetzungen nicht zu rütteln ist. Bayreuther Festspiele und Wagner sind identisch, die Erkennung des Profils dieser Festspiele in der Welt ist gewährleistet - weit mehr als etwa Mozarts Salzburg, das Ansbach Johann Sebastian Bachs oder das Halle Georg Friedrich Händels.

          Das ist ein großer Vorteil gegenüber allen anderen Festspielen, bedeutet aber auch eine Gefährdung. In der Kunst ist es niemals mit Besitz und Sachwaltung getan, Kunst hat immer mit Phantasie, Neuschöpfung und Zukunft zu tun. Dies galt für Richard Wagner, der sein Festspielhaus und sein Festspielkonzept aus dem Geist seiner Kunst und seiner Zeit modelliert hat, dies gilt aber auch für diejenigen, die sein Haus in seinem Sinn führen wollen. Routine einerseits und Boulevardisierung und Kommerz andrerseits sind ein Verrat der Festspielidee Richard Wagners.



          Problemstellung

          Seit der Wiedereröffnung im Jahr 1951, seit den bahnbrechenden szenischen Innovationen durch Wieland Wagner und den Errungenschaften des modernen Regietheaters seit 1976 stellen sich heute neue und andere Probleme:

          1.) Wie dem besonderen Status Bayreuths als erster Wagner-Bühne gerecht werden?
          2.) Wie für eine lebendige Auseinandersetzung mit Wagners Werk stehen und Erneuerungen einleiten, ohne die Tradition zu gefährden?
          3.) Wie die wirtschaftlichen Kapazitäten steigern, um dem erhöhten finanziellen Druck zu begegnen, den die Neustrukturierung der Verhältnisse nach Wolfgang Wagner erwarten lassen?
          4.) Wie mit den allgemeinen Globalisierungstendenzen, die auch die Oper betreffen, umgehen? Bayreuth steht zwar allein auf Grünem Hügel, kann sich aber den Ansprüchen und Standards der „medialen Gesellschaft“ auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht entziehen.

          „Erste Wagner-Bühne“









          Unstreitbar haben andere Wagnerbühnen in den letzten Jahrzehnten gegen Bayreuth Position bezogen - u.a. im Frankfurt der Ruth Berghaus, im Brüssel Herbert Wernickes, im Stuttgart Klaus Zeheleins. Dies gilt es wettzumachen. Bayreuth muss sich wieder die Vorreiter-Rolle in der internationalen Wagnerinterpretation zu verschaffen. Bayreuth muss den maßgeblich „besten“, den gegenwärtigen Wagner bieten. Bayreuth muss leisten, was andere Häuser kaum vermögen. Das ist schwierig: die spezifischen Wagner-Sänger und -Sängerinnen sind keineswegs dicht gesät, überall treffen wir auf dieselben Star-Dirigenten und -Regisseure. Nicht dass Bayreuth von diesem internationalen Karussell abspringen könnte, aber es kann aufgrund seiner privilegierten Festival-Situation die Mitarbeiter besonders sorgfältig aussuchen und die Musiker/Regisseure phantasievoll kombinieren, kann Talente entdecken und sie pflegen, vor allem aber eine intensive und durchdachte Aufführungstradition schaffen.

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