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Europaspiele Baku : Die sind doch nur neidisch

Das Haydar-Alijew-Center in Baku Bild: Jahangir Yusif

Menschenrechtsverletzungen? Aber nein! Schwarze Listen? Niemals! Wie man bei den Europaspielen in Aserbaidschans Hauptstadt Baku mit missliebigen Journalisten und unangenehmen Fragen umgeht.

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          Hätte Hitler den Krieg gewonnen, würde ich Mercedes fahren.“ Der Mann, der mir sein Telefon entgegenhält, freut sich über die Botschaft, die er für mich in sein Handy getippt hat. Auf Englisch steht auf dem Bildschirm: „If Hitler win second war, I would drive Mercedes.“ Baku, Haydar-Alijew-Sportzentrum, die ersten Europaspiele haben gerade begonnen.

          Vor uns werfen sich Ringer auf die Matten, es ist elf Uhr am Vormittag, die Zuschauer machen einen Riesenlärm, wenn ein Aserbaidschaner kämpft. Ringen ist Nationalsport und die zwei Mitarbeiter des aserbaidschanischen Radios sind auf der Suche nach Interviews.

          Ich hatte ihre freundliche Frage eine halbe Stunde vorher abgelehnt. Wir hatten uns dann kurz unterhalten, über die völkerverbindende Wirkung des Sports, ohne Mikrofon, und während der Chefreporter offenkundig einigermaßen enttäuscht von meinem Nein zur Aufnahme war, blieb sein jüngerer Kollege überaus freundlich.

          Auf dem Weg nach Baku hatte mich eine Pressemitteilung der aserbaidschanischen Botschaft in Berlin erreicht, in der es über unter anderem über „die Berichte von Christoph Becker von Frankfurter Allgemeine Zeitung“ heißt, sie „gelten nicht mehr als kritische Berichterstattung“, sondern „geben den Eindruck, eher Bestandteil einer Schmutzkampagne gegen Aserbaidschan zu sein. Wir laden alle kritischen Journalisten ein, sich ein objektives Bild von Aserbaidschan (...) zu verschaffen und dem deutschen Publikum zu vermitteln.“

          Nun war ich in Baku, und die Interview-Anfrage in der Haydar-Alijew-Sporthalle war nicht die erste. Am Mittwochabend hatten die Organisatoren der Spiele eine „Media Welcome Party“ veranstaltet, bei der fünf Kamerateams auf Stimmenfang unter westlichen Journalisten gegangen waren.

          Am nächsten Tag hatte das aserbaidschanische Jugend- und Sportministerium ins Four Seasons Hotel an Bakus Uferpromenade geladen. Eine Pressekonferenz, gewidmet „der Innen- und Außenpolitik, dem öffentlich-politischen Leben Aserbaidschans und zugleich dem Vorbereitungsprozess der ersten Europa-spiele“, wie es in der Einladung hieß. Anwesend ist Sportminister Asad Rahimow. Und Ali Hasanow, nationaler Berater von Präsident Ilham Alijew in dessen Präsidialverwaltung.

          Wer macht hier Propaganda?

          Hasanow wird nach politischen Gefangenen gefragt. Gebe es in Aserbaidschan nicht, sagt er. Die Menschenrechtsverteidiger, die Journalistin Chadidscha Ismajilowa, Dinara Yunus, ihr Mann Arif, Rasul Jafarow, Intigam Alijew, all die anderen? Rechtmäßig verurteilt beziehungsweise begründet in Untersuchungshaft, sagt Hasanow. „Aserbaidschan ist ein Rechtsstaat, die Behörden bestätigen das.“

          Es gebe jedoch ein „Programm“ gegen Aserbaidschan, das „in diversen Staaten implementiert“ worden sei. Beteiligt seien in jedem Fall die BBC und der „Guardian“, aber er habe „präzise Informationen“ über weitere „Akteure dieser Kampagne“, mit der „bestimmte Kreise in Europa“ versuchten, „den Sport zu politisieren“, sagt Hasanow. Es sei allerdings für die Journalisten, die sich daran beteiligten, nicht zu spät, umzukehren.

          Ein russischer Journalist möchte von Hasanow wissen, ob die Einmischung des Westens in Ägypten und Libyen nicht gezeigt habe, was hinter den Demokratisierungsversuchen stecke, und ob es für Aserbaidschan Zeit sei, sich eher Moskau zuzuwenden.

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