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Etikette : Heruntergelassene Hosen sind kein perfekter Stil

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Eure Durchlaucht trifft Klatschtante: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis diskutiert mit der „Bild“-Kolumnistin Katja Keßler über gutes Benehmen, Enthaltsamkeit, Queen Elizabeth, Robbie Williams und Dieter Bohlen.

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          Wenn der Mensch nicht mehr in die Kirche geht, muß die Kirche eben zum Menschen kommen. Einmal im Monat, wenn der Mensch die „Süddeutsche Zeitung“ kauft oder die „Frankfurter Rundschau“, bekommt er kostenlos die Botschaft des Herrn dazu, die beim Aufschlagen der Zeitung zu Boden fällt. „Chrismon“ heißt die Beilage, ist untertitelt mit „Das evangelische Magazin“, wird herausgegeben von mehreren Pfarrern und Bischöfen und ist meist weit anregender, als es die Assoziation „Kirchenzeitung“ erwarten läßt.

          Gut, auch die jüngste „Chrismon“-Ausgabe enthält eine Kolumne des Chefredakteurs mit dem Titel „Die Angst ist die Mutter der Lüge“ oder ein Plädoyer für das „Weinen als Heilkraft“, wie man sie auch in einer esoterischen Frauenzeitschrift finden könnte. Andererseits aber entdeckt man immer wieder überraschende Beiträge, bei denen man sich fragt, wieso eigentlich kein anderer auf diese Idee gekommen ist. So hat sich ja in Deutschland eine zarte Debatte über das gute - oder auch das schlechte - Benehmen entwickelt, die „Chrismon“ mit einem Doppel-Interview zweier Damen aufgreift: Katja Keßler trifft Gloria von Thurn und Taxis.

          Schnackseln ist verpönt

          Gloria von Thurn und Taxis, korrekte Anrede: „Fürstin“ oder „Eure Durchlaucht“, galt einmal aufgrund ihrer seltsamen Frisuren als Punk und Partyhuhn der Adelswelt, bis sie irgendwann ihre konservative Ader entdeckte. Seitdem kleidet sie sich zurückhaltend und redet auch so, von Ausnahmen abgesehen, etwa als sie in einer Fernseh-Talkshow die Ausbreitung von Aids in Afrika damit erklärte, daß die Schwarzen dort zuviel - Zitat - „schnackseln“. Daß schnackseln als unfein gilt, hätten die Afrikaner bei der Lektüre eines Buches lernen können, das die Fürstin mit ihrer Freundin Alexandra Borghese herausgegeben hat: „Unsere Umgangsformen. Die Welt der guten Sitten von A - Z“.

          Ihre Gesprechspartnerin Katja Keßler ist, was die Umgangsformen betrifft, schon bei B stehengeblieben, nämlich bei Bohlen. Keßler war - in dieser Reihenfolge - Zahnärztin, oberste Klatschkolumnistin der „Bild“-Zeitung, Ehefrau des „Bild“-Chefredakteurs (das ist sie noch immer) und Ghostwriterin Dieter Bohlens bei „Nichts als die Wahrheit“ sowie der Fortsetzung, die im Oktober erscheint und sicher wieder zum Bestseller wird. Bohlen gilt als bestes Beispiel dafür, daß man auch ohne gutes Benehmen erfolgreich sein kann: Obgleich der Mann mit seiner Musik, noch mehr aber mit den Beichten aus seinem Privatleben jede Peinlichkeitsgrenze überschreitet, wird er keineswegs geächtet, sondern allenthalben gefeiert.

          So sympathisch

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