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Köfte vom Grill : Glück in der Hitze

Wie viele Packungen nimmt man da jetzt? Bild: tob

Sommerfest, nackte Füße und Köfte vom Grill: Von fortgeschrittenen Erregungszuständen durch einen Supermarkt, wie man ihn wohl in jedem Einwandererviertel großer Städte findet.

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          Er hockte sich vor mich, mit weit aufgerissenen Augen, seine Wangen waren mit dunkelrotem Fleischsaft verschmiert, er packte mich an der Schulter, schüttelte mich kurz, aber heftig, und fragte: „Wo hast du die her? Ich muss das sofort wissen. Ich will nie wieder andere Köfte essen.“ Nach dem fortgeschrittenen Zustand seiner Erregung zu schließen, hatte er nicht nur sehr viele dieser Köfte gegessen, sondern sie vor lauter Begeisterung auch noch quer in den Mund gesteckt; anders ließen sich die Saftspuren in seinem Gesicht nicht erklären.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ich verstand ihn nur zu gut. Und antwortete, wahrheitsgemäß: Aus dem schönsten Supermarkt, in dem ich seit langer Zeit gewesen bin.

          Dieser Supermarkt ist nichts Besonderes eigentlich, man findet vergleichbare Märkte wohl in jedem Einwandererviertel einer größeren Stadt. Dieser hier aber, an einer großen Ausfallstraße im Westen Berlins gelegen, verkaufte halt diese türkischen Köfte, die wir gegrillt und gegessen hatten, bis wir nichts anderes mehr essen konnten oder auch nur je wieder wollten.

          Vermutlich sind unsere Köfte auch nichts Besonderes gewesen. Für deutsche Leute aber, die mit jenen oft teilnahmslos grauen Klöpsen aufgewachsen sind, die wahlweise Frikadellen oder Bouletten genannt werden, waren sie – eine Offenbarung.

          Auf Spieße gesteckt, über weißglühende Holzkohle gelegt, karamellisierten sich die Röstaromen der Köfte, bis sich das dunkle Rot fast in Gold verfärbte. Das Hackfleisch selbst war scharf gewürzt, was mit dem Karamell zu einem einzigartigen Aroma verschmolz, und dieses Aroma hieß: Sommerfest, heißer Wind, nackte Füße, Ferien für immer, Köfte aber auch.

          Im Supermarkt hatten sie hinter der Fleischtheke gelegen, zwischen Lammkoteletts und Leber, sie waren fingerdick vorgerollt und in dichten Reihen in Frischhaltefolie verpackt gewesen. Der Supermarkt verkaufte auch Feigen und Kichererbsen und rote Linsen und schwarze Linsen, alles in Zentnersäcken, mit denen man vermutlich auch die Oderflut hätte aufhalten können, und elf verschiedene Sorten Joghurt und fünf verschiedene Sorten Ayran. Wussten Sie, dass es offenbar mehr Sorten Bulgur gibt, als die Inuit Worte für Schnee haben? Draußen, an den Gemüseregalen vor dem Markt, ballen sich die Leute zu Stoßzeiten oft so, dass man kaum vorbeikommt. Drinnen lernt man die Leidenschaft fürs Essen und fürs Kochen noch mal neu. Und das Schönste ist: Nebenan ist gleich noch so ein Supermarkt.

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