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Satellitenmanöver : Verkehrsrowdys im All?

Diese computergenerierte Abbildung der Esa zeigt, wie dicht der erdnahe Weltraum schon jetzt mit Satelliten und Weltraumschrott gefüllt ist. Bild: AFP

Dichtes Verkehrstreiben ohne klare Regeln: Was auf der Straße ins Chaos führt, ist auch im All nicht unproblematisch. Insbesondere, wenn bald Tausende neue Satelliten im Erdorbit kreisen.

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          Wohin es führt, wenn die Zahl verschiedenartiger Verkehrsteilnehmer bei gleichbleibendem Verkehrsraum immer weiter wächst, können wir täglich auf den Straßen beobachten: Es wird eng, Konflikte nehmen zu. Wenn der Teenager auf dem E-Roller schnurstracks auf den radelnden Familienvater zusteuert oder der ins Smartphone vertiefte Fußgänger ungeniert die Fahrbahn kreuzt, dann ist besonderes Geschick in der verkehrsmittelübergreifenden Kommunikation vonnöten, wenn man nicht einfach das Recht des Stärkeren walten lassen möchte.

          Im All ist das nicht anders. Bislang hält sich dort die Zahl der aktiven Verkehrsteilnehmer mit 2000 im Erdorbit betriebenen Satelliten zwar noch in Grenzen. Das wird sich aber sehr schnell ändern, wenn Elon Musk und andere private Weltraumunternehmer mit ihren geplanten „Mega-Konstellationen“ und deren vielen tausend Satelliten den Orbit ähnlich fluten wie E-Roller derzeit deutsche Städte. Musk, der in seinem Netzwerk „Starlink“ schließlich mehr als 10 000 Satelliten betreiben will, um die Welt flächendeckend mit Internet zu versorgen, hat im Mai mit 62 Testsatelliten den Auftakt gemacht – und ist damit nun schon erstaunlich schnell der Europäischen Weltraumorganisation Esa in die Quere gekommen.

          „Im Orbit gibt es keine Vorfahrtsregeln“

          Am Montag musste die mit ihrem Windsatelliten Aeolus ein Ausweichmanöver durchführen, um eine Kollision mit einem besonders tief fliegenden Starlink-Satelliten zu vermeiden. Dass die Esa ausweichen musste und nicht Musk, war dabei reine Verhandlungssache. „Im Orbit gibt es keine Vorfahrtsregeln. Es gibt noch nicht einmal eine Vorschrift, dass man überhaupt ausweichen muss“, berichtet Holger Krag, der Leiter des Esa-Programms für Weltraumsicherheit. Nachdem demnach SpaceX keine Anstalten machte, den Kurs zu ändern, entschloss sich die Esa zum Manöver, um kein Risiko einzugehen.

          „Typisch Verkehrsrowdy“, denkt sich da der leidgeprüfte Erdling, „hätte es nicht allein die Höflichkeit geboten, dass der Weltraumneuling Musk einem seriösen Forschungssatelliten Platz macht?“ Die Esa nimmt das locker. Nicht, dass sie es war, die zur Kollisionsvermeidung Treibstoff und Planungsaufwand investieren musste, macht ihr Sorgen. Es ist vielmehr die Aussicht auf das, was noch kommen wird, wenn in Zukunft jede Annäherung von Satelliten Verhandlungen per E-Mail und Telefon nach sich ziehen wird. Dieser Prozess der Absprache müsse professionalisiert werden, sagt Krag. Man brauche Kommunikationsprotokolle und wahrscheinlich auch die Hilfe selbstlernender Algorithmen. Die Esa will das Problem in diesem November auf ihrer Ministerratskonferenz in Angriff nehmen. Auf eine schnelle Lösung kann man nur hoffen. Denn wie schlecht die spontane Kommunikation zur Kollisionsvermeidung zumindest im Straßenverkehr klappt, wissen wir wiederum aus eigener Erfahrung.

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