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Pionierin Charlotta Bass : Keine Halbherzigkeiten

  • -Aktualisiert am

Charlotta Bass als junge Frau, damals noch Charlotta Spears Bild: Wikimedia Commons

Charlotta Bass war im Jahr 1952 als erste schwarze Frau amerikanische Vizepräsidentschaftskandidatin. Was verbindet ihre Kandidatur mir der von Kamala Harris?

          2 Min.

          Muss an Adlai Ewing Stevenson und Vincent Hallinan, die bei der amerikanischen Präsidentenwahl 1952 gegen Dwight D. Eisenhower unterlagen, heute wieder erinnert werden? Nein. Aber an die Frau, die als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft im Rennen war: Charlotta Bass. Sie war die erste Schwarze, die sich um dieses Amt bewarb. Nicht für die Republikaner, nicht für die Demokraten, sondern für die Progressive Party.

          Charlotta Bass hatte keine Chance. Hallinan, ein weißer Anwalt, dessen Vize sie hätte werden sollen, bekam kaum 150.000 Wählerstimmen. Trotzdem lohnt es, sich diese Frau genauer anzuschauen. Geboren 1874, kam sie ursprünglich aus South Carolina, lebte aber seit 1910 und bis zu ihrem Tod 1969 in Kalifornien, wo sie 1912 die Herausgeberschaft der Zeitung „The Eagle“ von ihrem Gründer erbte.

          Sie kämpfte gegen den Ku-Klux-Klan

          Auch hier Pionierin, leitete sie die Zeitung als erste Afroamerikanerin in dieser Rolle bis 1951. Umbenannt in „The California Eagle“, galt sie für eine Weile als einflussreichste Publikation in der schwarzen Bevölkerung an der Westküste. Charlotta Bass kämpfte in ihren Leitartikeln wie als Aktivistin der Bürgerrechtsbewegung für Reformen im Wahlrecht, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Polizei, die damals bereits ein Gewaltproblem hatte. Kämpfte gegen den Ku-Klux-Klan und gegen die rassistischen Stereotype, die in Hollywood produziert wurden, wie 1914 in „The Birth of a Nation“, ein bei Klansleuten bis heute beliebter Film.

          Politisch stand sie zunächst den Republikanern nah, für die sie als Wählerin registriert war (bis ihr auf einer Wahlkampfveranstaltung augenfällig wurde, dass sie es mit einer segregierten Partei zu tun hatte), dann den Demokraten, für deren Kandidaten Franklin D. Roosevelt sie stimmte, weil ihr seine Politik des New Deal einleuchtete.

          Doch sie stellte fest, dass Dreh- und Angelpunkt beider großen Parteien ihr gemeinsamer Antikommunismus und eine Kalte-Kriegs-Politik war, bei deren massiver Aufrüstung auf Kosten von Sozialprogrammen die schwarze Bevölkerung nur zu verlieren hatte. Sie erkannte, weder die eine noch die andere Partei war für die Belange der Schwarzen im Land ein zuverlässiger Anwalt.

          1947 distanzierte sie sich von beiden und wurde Mitbegründerin des kalifornischen Arms der Progressive Party, die, wie bisher alle dritten Parteien, keine Chance hatte, an die Macht zu kommen. Natürlich stand Charlotta Bass unter Beobachtung des FBI. Mehrfach wurde ihr Leben bedroht. Sie stand unter immensem Druck, weil sie an allen Fronten kämpfen wollte, kämpfen musste, für die Rechte der Schwarzen, der Frauen, der Armen, gegen die Interessen des Kapitals, des Militärs, der Reichen.

          Was sie mit Kamala Harris verbindet? Vielleicht vor allem dies: dass sie wusste, wie wertvoll die Wählerstimmen der Schwarzen und vor allem der schwarzen Frauen sind, die sich mit Halbherzigkeiten nicht abspeisen lassen, dass keine Partei automatisch auf sie zählen kann.

          Die erste Fassung dieses Artikels wurde irrtümlich mit einem Porträt von Nancy Pelosi bebildert. Wir bitten das zu entschuldigen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

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