https://www.faz.net/-gqz-6xold

Erotische Biographie „Full Service“ : Welche Gürtellinie?

  • -Aktualisiert am

Ein neues Buch enthüllt saftigen, alten Klatsch: Scotty Bowers, geboren 1923, schlief mit den größten Stars von Hollywood - schreibt er zumindest in seiner Autobiographie „Full Service“.

          4 Min.

          Okay, ich war krank. Es war kalt. 1700 Seiten Péter Nádas hatte ich schon gelesen. Es kam gerade nichts auf „Arte“. Niemand rief an. Also schlug ich irgendwann meinen Tablet-Computer auf, an den ich mich gerade mit viel Mühe zu gewöhnen versuche, und begann die Lektüre eines Buchs, das ich mir sozusagen auf Empfehlung des „New Yorkers“ heruntergeladen hatte (in Papierform ist es noch nicht erschienen) und das wohl in die allerunterste Kategorie von guilty pleasures fällt. Es handelt von Sex in Hollywood. Es heißt „Full Service“ (Grove Press).

          Es soll viel besser sein als Madonnas neuer Regieversuch „W. E.“. So stand es jedenfalls in dem Artikel im „New Yorker“, der in Wahrheit eine Filmkritik war, und dann stand da noch, dass der Autor jenes Buchs, ein gewisser Scotty Bowers, sich seinen Ruf erarbeitet habe, „indem er mit jedem in Hollywood schlief, der nicht gerade Lassie war - und jetzt erzählt er alles“. Genial. Genau das Richtige. Ich war krank, es war kalt, und niemand rief an.

          Eine vermittelte Nächstenliebe

          Ich glaube, ich habe selten ein Buch so schnell gelesen wie dieses. Die Kindheit des 1923 geborenen Autors, die sich auf einem Bauernhof in Illinois abspielte und in einem bestimmt rührenden Kapitel beschrieben wird, habe ich ausgelassen. Im Durchscrollen bekam ich eben noch mit, dass Scotty, wie ich ihn nennen möchte - die Lektüre nötigt einen zum Du -, als Junge missbraucht wurde, aber er scheint es niemandem krummgenommen zu haben und war einfach froh, helfen zu können - ein Charakterzug, der sich wie ein roter Faden durchs Buch ziehen wird. Seine Erlebnisse bei der Armee habe ich mir auch geschenkt. Ich sprang gleich an die Stelle, wo Scotty in Hollywood landet, ein blendend aussehender, gesunder, gut gebauter junger Mann, der hilft, wo er kann, und dies zunächst in einer Tankstelle tut.

          Eigentlich soll er nur Autos volltanken und Aschenbecher leeren, doch irgendwie stolpert er in ein anderes Geschäftsmodell, das sich kaum anders denn als Zuhälterei beschreiben lässt, auch wenn Scotty darauf besteht, für seine vermittelnden Dienste nie Geld bekommen zu haben. Er sei einfach froh gewesen, helfen zu können, wenn jemand ihn fragte, wo denn jetzt ein knackiger Boy/ein anschmiegsames Girl für ein Stelldichein aufzutreiben sei. Und oft genug half er auch persönlich aus. „Ich war mit einer phantastischen sexuellen Konstitution gesegnet“, schreibt er - und offenbar auch mit einem phantastisch dicken Telefonbuch, in dem nur Leute drinstanden, die Lust hatten, sich für Sex vermitteln zu lassen. Da sich all dies in Hollywood zutrug, blieben prominente Kunden nicht aus. Und schon bald war Scotty mit seiner großen Nächstenliebe in Hollywood selbst berühmt.

          So weit, so harmlos. Doch im Laufe der Kapitel, die Scotty Bowers mithilfe eines Ghostwriters aufgeschrieben hat, wird er immer gesprächiger. Mehrere große Verlage wollten das Buch nicht drucken, weil es so unverblümt Klatsch ist, nicht gut geschrieben, eher hastig draufloserzählt, kein tieferer Sinn, keine zweite Ebene - einfach Bahnhofsklo-Tratsch über berühmte Menschen, die heute tot sind und sich nicht wehren können. Leider ist einiges davon ganz interessant.

          Weitere Themen

          Schwarze Titelseiten in Australien Video-Seite öffnen

          Ruf nach Pressefreiheit : Schwarze Titelseiten in Australien

          Einige der großen Tageszeitungen in Australien erschienen am Montag mit geschwärzten Titelseiten. Damit wollten die Blätter nach eigenen Angaben auf die australische Gesetzgebung aufmerksam machen. Diese erschwere Journalisten die Arbeit, biete keinen ausreichenden Schutz der Pressefreiheit und lasse etwa die Durchsuchung von Redaktionsräumen zu.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.