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Onlyfans rudert zurück : Erotiktok

Unentschieden: der CEO des Videoportals OnlyFans, Timothy Stokely. Bild: OnlyFans/Milaneyes

Während der Pandemie war die Plattform Onlyfans vor allem durch eines populär geworden: Pornos. Diese wollte sie ab dem 1. Oktober verbieten. Oder lieber doch nicht?

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          Vor Kurzem hatte man bei der Foto- und Videoplattform Onlyfans (laut Forbes 1,6 Millionen Urheber und 150 Millionen Nutzer) eine Idee, die man keine fünf Tage später wieder verwerfen sollte. Der millionenschwere Webdienst, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2016 dank seines Angebots an Pornographie, vor allem während der Pandemie, immer größerer Beliebtheit erfreute und für kurze Zeit als Robin Hood der Branche galt, weil Darsteller sich dort per Einzelabonnement direkt vermarkten konnten, hatte in der vergangenen Woche überraschend angekündigt, vom 1. Oktober an „sexuell explizite“ Bilder und Inhalte zu verbieten.

          Die Plattform Tumblr verschwand nach einer ähnlichen Entscheidung in der Bedeutungslosigkeit. Nun fiele es beispielsweise bei Amazon nicht weiter auf, zeigte das Unternehmen an, keine Bücher mehr verkaufen zu wollen; doch die Ankündigung von Onlyfans ließ einen an die moralische Phase des Magazins Playboy denken, das im Jahr 2015 bekanntgab, man wolle keine Nacktbilder mehr zeigen. „Was bleibt, wenn das Höschen kommt“, titelte der Spiegel seinerzeit.

          Ähnliches fragten sich Abonnenten ebenso wie jene, die sich auf Onlyfans bisher ihre Haut vergolden ließen. Die Plattform, die einer Firma namens Fenix gehört, deren Löwenanteil ein amerikanisch-ukrainischer Webcamplattformbetreiber mit dubioser Vergangenheit besitzt, ließ verlauten, die Banken machten bei dieser Art von Geschäft nicht mehr mit und weigerten sich, Zahlungen abzuwickeln. Wohl auch, weil die Plattform während ihres Höhenflugs in die Schlagzeilen geraten war, da sich auch Minderjährige auf der Plattform anmeldeten. Zudem habe es Druck von Anti-Pornographie-Organisationen wie „Exodus Cry“ und dem „National Center on Sexual Exploitation“ gegeben.

          Weiterhin ein Zuhause für alle Urheber?

          Das Reddit-Forum r/Onlyfans wurde kurzerhand umgewidmet: „Von nun an widmet sich dieser Sub allen Arten von Ventilatoren (Handventilatoren, Deckenventilatoren, Tischventilatoren). Als Daumenregel gilt, wenn es Luft bläst, ist es ein Ventilator.“ Regel 2: „Keine Pornographie“.

          Doch nun stöhnt das Netz erneut auf, denn inzwischen gab die Porno-Plattform, die keine mehr sein wollte, auf Twitter bekannt: „Danke an alle, die ihre Stimme erhoben haben. Wir haben uns Zusagen gesichert, um unsere ,Creator‘-Gemeinschaft zu unterstützen, und haben die für den 1. Oktober vorgesehene Änderung unserer Richtlinien ausgesetzt (suspended). Onlyfans steht für Inklusion, und wir werden weiterhin ein Zuhause für alle Urheber schaffen.“

          Daran glauben jedoch nicht alle „Kreativen“, die mit dem Abonnementverkauf auf Onlyfans ihren Lebensunterhalt bestritten. Auf Twitter und Reddit geben einige an, sich andere Plattformen suchen zu wollen. Man solle „nicht alles auf eine Karte setzen“, schreibt die Nutzerin „Sansa Starkers“ im Forum r/onlyfansadvice. Es sei nicht schlimm, das Onlyfans-Konto zu behalten, solange man nicht so naiv sei, zu glauben, es handele sich um eine zuverlässige Plattform.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

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