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Ergebnisse bei Karl & Faber : Auf diese Kühe ist Verlass

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Die Herbstauktion bei Karl & Faber punktet mit Werken aus der Moderne.

          2 Min.

          Die Moderne-Auktion bei Karl&Faber in München landete schon nach wenigen Minuten eine Überraschung, als Alexander Kanoldts impressionistisch angewehtes Frühwerk „Häuser in Schwabing“ von 1908 mit 10.000 Euro aufgerufen und erst bei 60.000 Euro einem Saalbieter zugeschlagen wurde. Wenig später hielten fünf frühe, aus dem Nachlass von Barbara Göpel stammende Landschaftsstudien Max Beckmanns den Saal in Atem: Den besten Preis erzielte eine „Uferlandschaft mit Häusern und Booten“ mit 45.000 Euro (20.000/30.000); eine „Landschaft mit See“ ging für 33.000 Euro (18.000/ 24.000) an ein norddeutsches Museum. Sechsstellige Ergebnisse schafften Max Liebermann – seine blau und gelb bepflanzte „Blumenterrasse im Wannseegarten“ bekam ein privater Sammler zur unteren Taxe von 40.0000 Euro – und Hermann Max Pechstein, dessen Bildnis seiner Frau Charlotte in Grün und Rot 140.000 Euro (140.000/160.000) im Saal erzielte. Völlig entsprach Campendonks Gemälde „Kühe im Wald“ von 1919 seiner Favoritenrolle, als der Hammer bei 600.000 Euro (400.000/600.000) ein lebhaftes Gefecht zugunsten eines Telefonbieters beendete.

          Nicolaes van Veerendael 1640 – Antwerpen – 1691 Blumenstrauß mit Rosen, Tulpe, Hibiskus und Brombeeren Öl auf Leinwand, doubliert. 1672. 52 x 42 cm. 290.000 (50.000/60.000 Euro)
          Nicolaes van Veerendael 1640 – Antwerpen – 1691 Blumenstrauß mit Rosen, Tulpe, Hibiskus und Brombeeren Öl auf Leinwand, doubliert. 1672. 52 x 42 cm. 290.000 (50.000/60.000 Euro) : Bild: Karl&Faber

          Mit den Rückgängen von Werken Jawlenskys und Gabriele Münters in bester Gesellschaft war später Yves Klein mit einem postum edierten „Relief planétaire“ in der Partie zur Kunst nach 1945 bis heute. Die Spitze dort übernahm stattdessen die fünfzehnteilige Fotofolge „Kühlturm Typologie“ von Bernd und Hilla Becher; für 240.000 Euro (150.000/200.000) reist sie nach Amerika, deutsche Museen hatten das Nachsehen. Mit Papierarbeiten schnitt auch Neo Rauch wieder gut ab, sein Tondo „Plan“ von 1994 landete auf 200.000 Euro (100.000/120.000) und das – nicht weniger rätselhafte – „Große Meer“ bei der oberen Schätzung von 120.000 Euro. Ein spanischer Sammler sicherte sich zum Preis von 125.000 Euro (100.000/150.000) Jesús Rafael Sotos „Azul y negro“ von 1971 aus der Folge der „Vibrationsbilder“.

          Auf enorme Resonanz stieß die Hamburger Sammlung Frank Preuss; der Sonderkatalog „Reiz der Linie“ bot großenteils Kunst auf Papier von rund sechzig Künstlern. Beachtliche Steigerungen erfuhren Fontanas „Concetto Spaziale“ auf Velin mit 18.000 Euro (8.000/10.000) und ein rotes Exemplar aus Fautriers „Otage“- Phase mit 24.000 Euro (4000); Keith Sonniers Lichtröhrenarbeit „Sa-Sel“ rauschte auf 33.000 Euro (12.000/16.000) und in den deutschen Handel. Zu hundert Prozent verkaufte sich eine Kollektion von fünfzig Zeichnungen der Art-Brut-Künstler der Nervenheilanstalt in Maria Gugging: Die Wachskreidezeichnung „Sophia Loren“ von Johann Hauser kletterte auf stolze 17.000 Euro (7000/9000).

          Bei den zuvor versteigerten Alten Meistern schoss Niclas van Veerendael den Vogel ab: Das hinreißende Gebinde aus Rosen, Tulpen, Hibiskus und Brombeeren, das der Antwerpener 1672 malte, war Jahrzehnte in deutschem Privatbesitz, bis es nun ein ausländischer Händler gegen sein Gebot von 29.0000 Euro (50.000/60.000) etlichen Gegnern abringen konnte. Bescheidener ging es bei Gemälden des 19.Jahrhunderts zu, wo neben Spitzwegs aparter Flachlandschaft in der Dämmerung, die etwas unter Taxe 13.500 Euro brachte, Philipp Sporrers burleske Schilderung einer „Postkutsche im Gebirge (Der Marterkasten)“ mit 17.000 Euro weit über der Schätzung reüssierte.

          Als gut im Trend liegend erwies sich erneut Druckgraphik Alter Meister. Vorrangig deutsche und Schweizer Sammler fochten um die feinen Blätter: Schongauers seltenen Kupferstich vom reichverzierten spätgotischen „Rauchfass“ übernahm allerdings amerikanischer Handel für 185.000 Euro (120.000/140.000). Der zu Dürers Lebzeiten abgezogene, gut erhaltene Kupferstich „Meerwunder“ stieg von 35.000 auf 55.000 Euro und Dürers „Geburt Christi“ auf 40.000 Euro (30.000/ 35.000). Aus der Fülle von Rembrandt-Blättern stach die Radierung von „Adam und Eva“ mit 70.000 Euro hervor, wenn auch unter der Schätzung.

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