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Zum Tod von Isao Takahata : Lebendige Linien

In Deutschland kannte man Isao Takahata vor allem für die Trickfilmserie „Heidi“. Bild: EPA

Er erfand die „Heidi“-Zeichentrickserie und war eine Legende des japanischen Trickfilms. Am Donnerstag ist Isao Takahata mit 82 Jahren gestorben.

          Vor drei Jahren ging der Oscar für den besten Animationsfilm an die Disney-Produktion „Baymax“, im Original „Big Hero 6“ – solche Filme verkünden ihre Größe gern offensiv. Wie klingt dagegen der Titel „Die Legende der Prinzessin Kaguya“? Zart, melancholisch, exotisch. All das war der japanische Trickfilm von Isao Takahata denn auch. Und wunderschön. Aber in Konkurrenz mit dem amerikanischen „Big Hero 6“ hatte er keine Chance.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Vielleicht werden sich die Disney-Leute ein wenig darüber geschämt haben, wen sie da aus dem Feld geschlagen hatten, denn Takahata war eine lebende Legende ihrer Kinokunstform, die aus dem Zeichnen entstanden ist. „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ dürfte das letzte große animierte Meisterwerk gewesen sein, dessen Figuren vollständig von Hand gezeichnet wurden. Und das diese Fertigkeit sehen ließ in hauchfeinen Linien, die wie spontan hingeworfen wirkten und gerade deshalb das erfüllten, was Animation schon vom Wort her leisten soll: beleben.

          Der gute Geist von Ghibli

          Isao Takahata belebte nicht nur Linien, sondern das ganze Kino. Sein Film „Die letzten Glühwürmchen“ gehörte zu jenem Trio von japanischen Trickfilmen, die 1988 das ganze Genre umkrempelten. Neben Takahatas grausam realistischem, aber humanistischem Porträt des Japans der Kriegszeit waren das eine dystopische Vision des Japans der Zukunft, „Akira“ von Katsuhiro Otomo, und ein träumerisches Porträt des Japans der Gegenwart, „Mein Nachbar Totoro“ von Hayao Miyazaki. Letzterer Film wurde von Takahata produziert, denn gemeinsam mit seinem jüngeren Freund Miyazaki hatte der damals Fünfzigjährige 1985 das Trickfilmstudio Ghibli gegründet. Zuvor hatten beide für den internationalen Fernsehmarkt gearbeitet und dabei die in Deutschland immens erfolgreiche Trickfilmserie „Heidi“ geschaffen.

          Doch erst in den Langfilmen und mit japanischen Geschichten kam Takahata ganz zu sich. Er war gegenüber Miyazaki als Regisseur immer der Skrupulösere, weshalb er in den dreißig Ghibli-Jahren nur fünf Filme drehte (Miyazaki brachte es aufs Doppelte), darunter mit „Meine Nachbarn, die Yamadas“ noch einen weiteren Geniestreich, in dem er zum ersten Mal jene Skizzenästhetik ausprobierte, die „Prinzessin Kaguya“ dann zur Vollendung brachte. Als Produzent aber war Takahata umso eifriger; er war der gute Geist von Ghibli, der Miyazaki als Aushängeschild des Studios und einzigem Künstler, der – auch in Amerika – als legitimer Nachfolger Walt Disneys angesehen wird, die internen Hindernisse aus dem Weg räumte. Mit der Oscar-Verleihung von 2015 hat man die Chance vertan, diesen Kinomagier zu ehren, obwohl jeder wusste, dass „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ sein letzter Film sein würde. Am Donnerstag ist Isao Takahata zweiundachtzigjährig in Tokio gestorben.

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