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Erdogan und die Islamisten : Der Hass, den er anstachelt

Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch dieser Woche bei einer Versammlung seiner AKP-Partei. Bild: AFP

Die türkische Regierung bekundet den Hinterbliebenen der Terroropfer von Nizza ihr Beileid. Das ist der blanke Hohn. Denn eben noch hat Erdogan gegen Frankreich und die Freiheit gehetzt.

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          Die Türkei hat das Massaker an drei Gläubigen in der Kirche Notre-Dame de l’Assomption im Zentrum von Nizza als „grausamen Angriff“ verurteilt. Er widerspreche allen „religiösen, menschlichen oder moralischen Werten“, teilte das Außenministerium in Ankara mit.

          „Allahu akbar“ soll der Täter gerufen haben, einem seiner Opfer schlitzte er die Kehle auf, so wie der aus Tschetschenien stammende Islamist am 16. Oktober dem Lehrer Samuel Paty in dem Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine den Kopf abschlug.

          Das Beileid, das die türkische Regierung den Hinterbliebenen des Attentats von Nizza nun ausspricht, ist grausamer Hohn. Eben noch erging sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in wüsten Tiraden gegen Emmanuel Macron und die Satirezeitung „Charlie Hebdo“. Macron, meinte Erdogan, müsse sich auf seinen „Geisteszustand untersuchen“ lassen. „Charlie Hebdo“, das Erdogan in Unterwäsche, mit Bierdose in der Hand und dem Ausblick auf einen weiblichen Po („Oh, der Prophet“) gezeichnet hatte, unterstellte er „Feindseligkeit gegenüber Türken und dem Islam“. Das Blatt verbreite „kulturellen Rassismus“, sagte Erdogans Sprecher Fahrettin Altun, und Hassbotschaften.

          Dabei macht „Charlie Hebdo“ nur vom Recht auf Meinungsfreiheit als Grundfeste der Demokratie Gebrauch, für das der französische Präsident ohne Wenn und Aber eintritt. Dagegen setzen die Islamisten ihren religiös verbrämten Terror, ermorden Juden, Christen, Muslime, Journalisten; niemand soll sich mehr sicher fühlen.

          Das sind die Geister, die Erdogan ruft. Das ist der Hass, den er anstachelt und der Frankreich die höchste Terrorwarnstufe beschert. Und da verläuft die Grenze, an welche die Präsidentin des deutschen PEN-Zentrums, Regula Venske, nach dem Mord an Samuel Paty erinnerte: „Die Trennlinie verläuft zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten, gleich welchen Glaubens, gleich welcher Nationalität.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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