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Studienaustausch mit England : Erasmus erased

  • -Aktualisiert am

2017 am 30. Geburtstag des Erasmus-Programms in Berlin Bild: Reuters

Was folgt auf den Ausstieg aus dem Erasmus-Programm? Die Aussicht auf die besten Universitäten der Welt, sagt Boris Johnson. Selbst wenn es so käme – verloren geht viel mehr.

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          Unter den Studierenden an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz gehörte Großbritannien zu den beliebten Zielen im Erasmus-Programm. Obwohl die Kooperationen mit Universitäten wie Cardiff, Bangor und Glasgow wenig Weltläufigkeit versprachen und die Rückkehrer von hinterhältigen Platzregen und schweren Alkoholvergiftungen berichteten, bildeten sich jedes Jahr Wartelisten. Man schrieb also drei Städte in der Wunschreihenfolge auf und hoffte, dass einen bei der Verteilung nicht Platz drei ereilte, ein unaussprechliches Kaff in Skandinavien, das nach Aussage der Koordinatoren in der Anglistik einen hervorragenden Ruf hatte. Wer abgelehnt wurde, konnte sich durch Ausdehnen der Regelstudienzeit vorübergehend neue Chancen verschaffen.

          Mehr als 30000 Studierende aus der Europäischen Union kamen zuletzt jedes Jahr nach Großbritannien, beinahe doppelt so viele, wie Briten ins Ausland gingen. Hätte Campino, der keine Gelegenheit auslässt, Loblieder auf England und seinen Fußball zu singen, nicht aus Protest gegen jede Bürgerlichkeit (Mutter Oxford-Absolventin, Vater Richter) sein Studium abgebrochen, er hätte garantiert Erasmus in Großbritannien gemacht und müsste nun nicht bei jeder Gelegenheit nach Liverpool fliegen, um unter schwitzenden Fußballfans Heimatgefühle heraufzubeschwören.

          Niedrigschwellig und gut ins Studium integrierbar

          Zu spät. Premierminister Boris Johnson war nicht in Stimmung, den Langfristnutzen von europäischen Gästen zu errechnen, die später Überstunden in Londoner Kanzleien machen oder mit ihrer großen Liebe und bilingualem Nachwuchs in Midlands-Städten wie Stoke-on-Trent für Weltläufigkeit sorgen. Zu teuer, urteilte Johnson. Für die Studierenden des Landes, das 1987 zu den Gründernationen des Austauschs gehörte, ist das geplante neue Programm keinen Ersatz, auch wenn es Alan Turing ehrt und Kooperationen außerhalb Europas ins Auge fasst – noch ist es ja nicht da, außerdem hat auch Erasmus mit Mundus ein außereuropäisches Angebot.

          Und selbst wenn die Briten mit ihren exorbitanten Studiengebühren von einem Überschuss an allzu bürgerlichen Bewerbern berichten: Erasmus war und bleibt ein niedrigschwelliges, gut ins Studium integrierbares Programm. Die Bewerbung mag umständlich erscheinen, unüberwindbar sind die Hürden nicht. Die Förderung ist je nach Land großzügig genug für Studierende, die nicht mit Elternfinanzierung rechnen können. Studierende mit Beeinträchtigungen werden gezielt unterstützt. Es gibt Erasmus-Praktika und Lehrassistenzen, in der Hochschulverwaltung werden Praxiserfahrungen verglichen. Dass die Hälfte der britischen Uni-Studenten, die ins Ausland gegangen sind, es mit Erasmus taten, hatte Gründe. Sieht man das Programm also als reinen Qualifikationsverstärker, mag Johnsons Spruch von den besten Universitäten der Welt, die den Briten in einer Zukunft nach Erasmus offen stehen, Gewicht haben. Für alle anderen ist jetzt geteiltes Leid mit den britischen Freunden angesagt.

          Elena Witzeck
          (elwi.), Feuilleton

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