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Entscheidung über Romantik-Museum : Es wird ein Zwitter

Aber die blaue Erkernase sehn’ ich mich zu erblicken: Christoph Mäcklers Entwurf für das Romantik-Museum. Bild: Mäckler Architekten

In der Endrunde des Wettbewerbs für die „Goethehöfe“ und das Frankfurter Romantik-Museum hat sich die Jury für eine Mischform zweier Entwürfe entschieden. Richtiger wäre eine Neuausschreibung gewesen.

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          Drei zweite Preise: Schon diese Entscheidung hätte allen Beteiligten zu denken geben müssen, denn wenn drei zweite Preise vergeben werden, dann heißt das nichts anderes, als dass niemand so richtig überzeugt war.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          In die Endrunde des Wettbewerbs für die „Goethehöfe“, die direkt neben dem Frankfurter Goethe-Haus am Großen Hirschgraben entstehen sollen (und neben dem Deutschen Romantik-Museum eine Wohnanlage sowie eine Spielstätte für die Fliegende Volksbühne umfassen), waren das Berliner Büro Staab Architekten und die Frankfurter Büros Landes und Partner sowie Christoph Mäckler gekommen:

          Die Angst vor dem Kompromiss

          Staab mit einem streng verschlossenen Kubus, der das Schroffe, Erhabene und Dunkle der Romantik betont und die vorspringenden Etagen des viergeschossigen, spätbarocken Goethe-Hauses aufgreift,sowie einer eher dickbeinig antretenden Wohnanlage daneben; die Jury beklagte allerdings die „schwer erträgliche Enge zwischen Museum und Goethe-Haus“ und die Überbauung des Rosengartens, der komplett verschwunden wäre.

          An Mäcklers Entwurf wurde die verbesserte Nutzung des Cantate-Saals ebenso gelobt wie die Öffnung des Foyers zum Rosengarten, weniger begeistert war man von der Symbolik des Romantik-Museums, dem, wenn es nach Mäckler geht, eine gläserne blaue Erkernase aus der Fassade wachsen wird. „Die Symbolik wird kritisch gesehen“, stellte die Jury fest, und es ist tatsächlich eine sehr eckige blaue Blume, die den Frankfurtern da aus der Häuserfront herausgereicht wird.

          Zu Recht für eine gewisse Kaufhausoptik kritisiert: Der Entwurf von Staab Architekten.
          Zu Recht für eine gewisse Kaufhausoptik kritisiert: Der Entwurf von Staab Architekten. : Bild: Wonge Bergmann

          Landes und Partner wurden für die Idee eines lichten, zusammenhängenden Innenhofes gelobt, die kaufhausartige Fassade verschreckte die Jury aber zu Recht. Was tun? Das Beste wäre eine Neuausschreibung gewesen, die die Idee des großen Innenhofs aufgreift und den einmaligen Ort ganz neu denkt – aber die komplizierte Geldgeberstruktur aus Stadt, Land Hessen, Bund und Hochstift, die für die sechzehn Millionen Euro aufkommen sollen, dazu die Halbherzigkeit des Bundes, der seine vier Millionen einzukassieren droht, wenn nicht schnell ein Entwurf da ist, ließ solche Konsequenz im Dienst der Sache offenbar nicht zu.

          Frankfurt droht nun, nach der gestrigen Entscheidung, einen Kompromisszwitter zu bekommen, mit dem am Ende keiner so richtig glücklich ist: Man spannt Landes und Mäckler zusammen, Mäckler soll sich ums Museum, Landes um den Rest kümmern. Besser so ein Romantik-Museum als keines? Romantisch ist diese Zermahlung einer hinreißenden Idee in den Mühlen der Baubürokratie nicht, und man kann nur hoffen, dass man später dem Bau den verkorksten Planungsprozess nicht allzu deutlich ansieht.

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