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Entlassung Andrej Holms : Nichts begriffen

Andrej Holm im Gespräch mit der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher (beide Die Linke) Bild: dpa

Andrej Holm hätte in Berlin nie zum Staatssekretär ernannt werden dürfen. Das wäre auch zu seinen Gunsten gewesen. Der Vorgang sollte symbolisch sein - und ist zurecht gescheitert.

          Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Ein zu Tode zitierter Satz aus der Gorbatschow-Honecker-Endzeit. Doch unmissverständlich bis auf den heutigen Tag. Zumal es gerade wieder einen aus diesem Milieu der eigentlich Unbelehrbaren erwischt hat, Andrej Holm. Die Partei „Die Linke“ hatte nicht nur gehofft, mit dem radikallinken Stadtsoziologen ihre Mietpolitik durchzusetzen. Spätestens jetzt ist klar, dass Holm von ihr auf den Berliner Staatssekretärsposten auch gehievt wurde, um die Möglichkeiten eines Schlussstrichs unter die störende eigene SED-Vergangenheit auszuloten. Was fast gelungen wäre.

          Doch Holm hätte nie zum Staatssekretär ernannt werden dürfen, und es wäre auch ihm selbst besser bekommen, hätte man ihn als Impulsgeber, Gutachter, Abteilungsleiter für innovatives Irgendwas beschäftigt. Kein Hahn hätte nach seiner politischen Sozialisation gekräht. Doch es musste dieser politische Spitzenposten sein, damit uns allen klar wird, dass es nun Zeit ist, zu vergessen.

          Die eigentlich Verantwortlichen

          Die dreisten Versöhnungsaufforderungen aus der Linken-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses waren anders nicht zu verstehen. Nie wird diese Partei begreifen, dass es zuerst die Opfer der Diktatoren sind, die eine Hand zur Versöhnung ausstrecken müssen. Andrej Holm wurden jede Menge Brücken gebaut. Er hat sie nicht genutzt. Und so begann der Skandal sich zu entfalten, der Berlins gestörtes politisches Klima vergiftet hat. Die Diskussionen über die Stasi-Tätigkeit Holms haben Details ins öffentliche Licht befördert, die weder der Linkspartei, der Humboldt-Universität und schon gar nicht dem Stadtsoziologen selbst angenehm sein dürften.

          Andrej Holm war 1989 für eine Spezialabteilung der Stasi tätig, die in jenen Herbstwochen mit bis dahin unbekannter Brutalität gegen die DDR-Opposition vorging. Ihre Prügelopfer, zum Beispiel die Kerzenkinder von der Gethsemanekirche, waren damals genauso alt wie Holm, viele sogar jünger. Er sollte an den Lage- und Spitzelberichten lernen, die richtigen Schlüsse für Repressionsmaßnahmen zu ziehen. Holm hat nicht erkennen lassen, dass er begriffen hat, was das hieß. Die Linke erst recht nicht.

          Die Erbin der SED, die die Staatssicherheit einst als ihr „Schild und Schwert“ gebrauchte, hat in ihren Reihen etliche frühere hohe Funktionäre, die ungeschoren davongekommen sind, die aber das, was Holm vorgeworfen wird, eigentlich zu verantworten haben. Auch um das zu bemänteln, haben Landesverbände der Linken sich beeilt, die Stasi als alleiniges Übel hinzustellen. So gesehen ist Holm doch ein Sündenbock – für all jene, die ihn auch heute für ihre klandestinen Zwecke instrumentalisiert haben.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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