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Kleiderordnung an Schulen : Unwürdig und peinlich

  • -Aktualisiert am

Die ersten britischen Schüler wehren sich gegen Hosenzwang und bezeichnen das Rockverbot selbst als eine Form der Sexualisierung. Bild: Reuters

Ist die Entscheidung, an britischen Schulen den Hosenzwang einzuführen, nun ein Sieg der Gleichberechtigung oder eine neue Form von Sexismus? Mit freier Persönlichkeitsentfaltung hat sie jedenfalls wenig zu tun.

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          Lange Zeit durften Mädchen an britischen Schulen keine Hosen tragen. Als das Verbot nach und nach gelockert wurde, feierten Feministinnen einen Sieg für die Gleichberechtigung. Jetzt werden Mädchen wohl auf die Barrikaden gehen müssen, um das Recht zu erkämpfen, einen Rock zu tragen. Mindestens vierzig Sekundarschulen haben in dem durch die Transgender-Debatte gesteigerten Bestreben nach Geschlechtergleichkeit bereits verfügt, dass nur noch eine Kleiderordnung erlaubt ist, nämlich Hosen, wogegen einige Feministinnen einzuwenden haben, es sei typisch, dass wieder einmal die männliche Standardkleidung obsiege.

          Das Rockverbot wird je nach Schule anders begründet. Die eine Schulleitung verweist auf die Empfindsamkeiten von Transgender-Kindern, die sich marginalisiert fühlen könnten durch Kleider, die ihren körperlichen Merkmalen, aber nicht ihrer sexuellen Identität entsprechen. Andere verweisen darauf, dass Röcke „unwürdig und peinlich“ sein könnten für Lehrer und Besucher, wenn Mädchen bei Versammlungen auf dem Fußboden sitzen. Schüler aus dem Großraum Manchester wehren sich mit einer Unterschriftensammlung gegen den Hosenzwang und bezeichnen das Rockverbot selbst wieder als eine Form der Sexualisierung. Sie fordern, dass Lehrer, die den Anblick eines Kinderbeines als zu erotisch empfinden, auf der Stelle entlassen werden.

          Sonderurlaube für Geschlechtsveränderungen

          Das Argument, dass sich die Unsitte der heimlichen Fotografiererei unter dem Rock durch die Hosenvorschrift vermeiden lasse, scheint auf diese jungen Kämpfer für die individuelle Freiheit wenig Eindruck zu machen. Das Rockverbot, das die britische Luftwaffe aus Rücksicht auf Trans-Soldaten bereits bei Militärparaden eingeführt hat, steht freilich im Widerspruch zu den Bemühungen mancher Schulen, den Transgender-Bedürfnissen entgegenzukommen, indem sie Jungen das Tragen von Röcken erlauben. Arbeitgeber stehen vor einem ähnlichen Dilemma: Die BBC beschäftigt unter ihren mehr als 21000 Angestellten 417 Mitarbeiter, die sich als Transgender bezeichnen, fast als doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt von einem Prozent. Der Sender hat bereits geschlechtsneutrale Toiletten eingeführt, zum Leidwesen vieler Frauen, vor allem Feministinnen, die diese intime Sphäre nicht mit Männern in Frauenkleidern teilen wollen, selbst wenn diese sich als weiblich fühlen. Die BBC will ihren Trans-Mitarbeitern auch mit Sonderurlauben für Geschlechtsveränderungsprozesse entgegenkommen.

          Die Verwirrungen der Identitätspolitik dürften wieder in die Schlagzeilen geraten, wenn die Regierung, wie erwartet, dieser Tage ein Beratungspapier vorlegt über die Anpassung des Geschlechtsidentifizierungsgesetzes an die lautstarken Forderungen der Trans-Bewegung und anderer sexueller Minderheiten. Welche Ironie, dass die Gesellschaft meint, das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung durch Bevormundung durchsetzen zu müssen. Womöglich wird die nächste Generation vor Gericht gehen, um sich entschädigen zu lassen für die Beeinträchtigung ihrer Weiblichkeit durch den Hosenzwang in der Schule.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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