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Serie „Code 404“ auf Sky : Robocop in London

Anderthalb Cops und ein Drogendealer, der vermutlich als einziger weiß, was hier läuft: Major (Daniel Mays, links) und Roy (Stephen Graham, rechts) Bild: 2018 Sky UK Limited

Zwei Londoner Cops, einer davon ein halber Androide, auf der Jagd nach Drogendealern, Anerkennung und einem halbwegs normalen Alltag: „Code 404“ balanciert Komik, Tragik und die Tücken der nahen Zukunft ziemlich gekonnt.

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          Code 404, um weniger netzaffinen Lesern den Witz zu erklären, ist ein Standard-Fehlercode des http-Protokolls, der anzeigt, dass eine Website oder Datei auf einem Server nicht gefunden werden kann. Jemand hat die Seite gelöscht oder die Daten verschoben und die Adresse, die man hat, ist damit obsolet.Ziemlich viele der im Laufe eines Arbeitstages bei der Londoner Metropolitan Police benötigten Daten sind im Gehirn des Polizisten DI John Major (Daniel Mays) nicht mehr abrufbar, was seinen Partner vor die unangenehme Aufgabe stellt, für ihn mitzudenken.

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

          John Major ist ein halber Androide, seit er bei einem Einsatz gegen einen Dealerring eine Kugel abbekam und eigentlich schon allseits betrauert in der Pathologie lag. „Man wird einmal etwas Wichtiges nach ihm benennen“, tröstet die Ärztin. „Einen Helikopter. Eine Kantine. Oder ein Vogelbad.“ Weil er einmal ein sehr guter Polizist war, wird er jedoch zum Versuchsobjekt eines hochgeheimen Projekts. Dank eines Haufens Elektronik im Körper wird DI Major wieder auf die Verbrecherwelt einer nahen englischen Zukunft losgelassen, die dank der schönsten brutalistischen Bausünden der letzten fünfzig Jahre auch ästhetisch einiges hergibt.

          Nun gingen die Monate des Todes von John Major an niemandem spurlos vorüber. Seine Frau hat mittlerweile eine Beziehung mit seinem Partner und besten Freund Roy Carver, gespielt vom großartigen Stephen Graham, ohnehin einem Spezialisten für gemischte Gefühle zwischen Zerknirschtheit und Zuhauen. Den Drogenhändler-Fall haben zwei Kollegen übernommen. Und er selbst ist auf Gedeih und Verderb den Fähigkeiten einer Programmiererin aus dem Silicon Valley ausgeliefert, die nicht nur Probleme mit dem korrekten inselenglischen Vokabular hat, sondern auch damit, Johns Denkfähigkeit zwischen dumpf und Übermensch einzupegeln. Und auch wer Lippenlesen kann und ein fotografisches Gedächtnis hat, kann immer noch daran scheitern, mitzubekommen, wie seine Frau sich eigentlich gerade so fühlt.

          Dazu kommt eine Ethikkommission, die das Projekt engmaschig überwacht und letztendlich über Wohl und Wehe entscheiden soll. Oder, aus der Sicht von DI Major, zwischen Lebenlassen und Ausschalten. Den Freund und Kollegen einfach wieder abzuschalten, das will Kollege Roy nun auch wieder nicht zulassen, und sorgt dafür, dass er im Arbeitsumfeld stets gut dasteht, was ein ziemlicher Haufen Arbeit ist. Vor allem dann, wenn man die ganze Zeit so tun muss, als habe man nicht gerade die glücklichste Beziehung seines bisherigen Lebens verloren, weil der totgeglaubte Freund nach Monaten wiederauferstanden ist.

          Wie „Code 404“ das alles balanciert – den heillosen Quatsch, die Tragik und die grundsätzliche menschliche Verfasstheit, an der die schönsten futuristischen Konzepte dann leider zerschellen –, das ist schon sehenswert. Freunde ausgefeilter Krimiplots kommen eher nicht auf ihre Kosten, aber es muss ja nicht jede Serie alles können.

          Code 404, um 20.15 Uhr bei Sky Comedy.

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