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Sex in England : Vereinigt euch

Hat immer Lust auf Kuscheln und braucht morgens kein Frühstück: Der Teddybär ist den englischen Studenten immer noch der liebste Bettgenosse. Bild: Reuters

Heute nicht, Liebling: England steht auf der Sexbremse. Derweil ist bei jedem dritten Studienanfänger das Bett erst einmal für den Teddy und nicht für den One Night Stand reserviert.

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          Noch sind die Folgen des schottischen Unabhängigkeits-Strebens nicht verdaut, da versuchen die Engländer die Oberhand zu gewinnen. Jetzt muss es wieder mal um uns gehen! Diese Trotzstimmung schürt manche Zeitung mit der Rückkehr zum Kerngeschäft, indem sie ihre Leser in vertrauteres Fahrwasser bugsiert – und sei es mit handelsüblichen Konserven. Am Wochenende hat der „Observer“ mit einem Dossier auf den Stand der wirklich wichtigen Dinge im Leben aufmerksam gemacht.

          Unter dem Titel „Sex uncovered“ wird ein Report zur Lage der Nation ausgebreitet, darin viel Statistik, wenig Ekstase. Die Datengrundlage ist ernüchternd unschrill, 92 Prozent der Befragten geben an, heterosexuell zu sein; jeweils vier Prozent bekennen sich zu Homo- beziehungsweise Bisexualität. Das stellt sich in der Öffentlichkeit meist andersrum dar. Mit dem Begehren respektive der Ehe – „die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften“ (Kant) – scheint es bergab zu gehen.

          In den traditionellen Paar-Verbindungen, den Keimzellen des immer seltener sich vereinigenden Königreichs, findet ein schleichender Libidorückgang statt. Ehepaare haben demnach nur noch viermal, statt wie vor sechs Jahren noch sechsmal im Monat wechselseitigen Besitz. Das wird zu wissenden Blicken in den respectable streets der bürgerlichen Wohngegenden führen, die von chronisch überarbeiteten und untercoitierten Mamils (Middle-aged men in lycra) und ihren Familien bewohnt werden.

          Die sexuelle Rezession frisst ihre künftigen Kinder. Dazu passt der Leitartikel des „Daily Telegraph“, ein weiterer Schlag, allerdings ohne allzu seriöse Quellenangabe. In jedem dritten Koffer, der zum Studienbeginn an ein College transportiert wird, befinde sich demnach ein Teddybär oder ähnliches Kuschelgetier. Was diese Keuschheit mit Abhängigen über die Libido von Erstsemestern aussagt? Der Befund erinnert unvermeidlich an den Zitat-Klassiker von George Mikes: „Continental people have sex life; the English have hot-water bottles“. Trotzdem, verehrter „Economist“, verkneifen Sie sich bitte in der nächsten Ausgabe den Kommentar, Deutschland müsse in dieser Frage mehr Stärke zeigen. Unser Begehren zielt derzeit auf die Verkürzung von Wartungsintervallen bei der Bundeswehr.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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