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Endlich Michael Caine : Dem IS sei Dank

  • -Aktualisiert am

Sieht aus wie Michael Caine, spricht wie Michael Caine, muss Michael Caine sein: Michael Caine. Bild: AP

Der britische Schaupieler hat seinen Namen geändert: Maurice Micklewhite heißt jetzt wie der, als den man ihn kennt. Und wer ist schuld? Der „Islamische Staat“ ist schuld!

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          Die Antwort der zivilisierten Welt auf allen Unbill dort draußen lautet: verschärfte Sicherheitskontrollen an Flughäfen. Noch genauer wird gefilzt, noch peinlicher befragt, noch demütigender durchsucht, damit nichts und niemand durchschlüpft, was Entropie über uns bringen könnte. Geben Sie bitte ihre Würde dort hinten ab und jetzt bloß keine Bombenwitze und nichts, was die Herrschaften von der Security verwirren könnte.

          Was die Herrschaften von der Security zum Beispiel verwirrt, ist die Tatsache, dass jemand aussieht wie der britische Schauspieler Michael Caine, aber nicht so heißt. Sie ahnen, was das bedeutet: Stundenlange Befragung, Flug verpasst, endloser Ärger. Das geht zum Beispiel dem britischen Schauspieler Michael Caine so, in dessen Pass „Maurice Micklewhite“ steht, denn so heißt der Mann mit bürgerlichem Namen nun einmal, und das seit 83 Jahren. Michael Caine hingegen heißt er erst seit 62 Jahren, nach einem kurzen Intervall in Sussex, während dem er Michael Scott hieß, aber einen solchen gab es in London schon. Also blickte Maurice-Michael Micklewhite-Scott aus dem Fenster der Telefonzelle am Leicester Square, sah ein Plakat für den Humphrey-Bogart-Film „The Caine Mutiny“ – zu deutsch: „Die Caine war ihr Schicksal“–, und sagte seinem Agenten am anderen Ende, man solle ihn also fortan Caine nennen. Nicht Scott und um Himmels Willen nicht Micklewhite.

          Das alles war in den letzten 62 Jahren auch nie ein Problem, doch seit der „Islamische Staat“ die Welt verunsichert und diese daraufhin mit den bekannten Flughafenkontrollen reagierte, die so leicht zu verwirren sind, ist es eines. „Der Securitymann sagt, hallo Michael Caine, und dann gebe ich ihm meinen Pass mit einem anderen Namen darin. Ich kann da eine Stunde stehen. Also habe ich meinen Namen geändert“, sagte er der britischen „Sun“. Michael Caine heißt jetzt auch im Pass Michael Caine, was sehr zur Entwirrung der Security beiträgt, denn nun steht dran, was drin ist, der Schauspieler ist endlich ordentlich und korrekt beschriftet, und wem sei Dank? Dem IS sei Dank. Und der Flughafenkontrolle, die damit wieder ein bisschen Entropie aus der Welt geschafft hat.

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