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Ende der Subjektivität : Der Robotismus als soziale Krankheit

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Aus Mensch wird Maschine: Robert Downey Jr. in „Iron Man“. Bild: AP

Wieso haben Hirnforscher solch eine Angst vor der Subjektivität? Weil sie in uns nur noch Hunde mit einem iPhone sehen. Ein Plädoyer für einen neuen Humanismus.

          Eine intellektuelle Krise naht. Wissenschaft und Philosophie des Geistes bedrohen die westliche Kultur mit dem genauen Gegenteil eines Humanismus. Nennen wir es Robotismus. „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, sagte einst Protagoras. Heute fügen wir hinzu: „Und Computer sind das Maß aller Menschen.“

          Die Wissenschaft hat immer weniger Raum für den einzelnen Menschen und dessen subjektive Perspektive. Aber wir vermögen die Welt nur aus unserem eigenen Geist heraus zu sehen. Wir sehen eine Welt, in der es Gutes und Böses, Richtiges und Falsches, Schönes und Hässliches gibt, eine Welt moralischer Pflichten. Wir beobachten die Welt nicht nur – wir fühlen sie auch. Wir sind keine bloßen informationssammelnden Maschinen – wir sind bewusste Wesen. Unser bewusstes Erleben (obwohl nur uns selbst zugänglich) ist ebenso real wie der Baum draußen vor dem Fenster oder die Photonen, die auf Ihre Netzhaut fallen. Wenn die Wissenschaft sich mit der Realität auseinandersetzen soll und nicht nur mit einem Teil der Realität, darf sie sich nicht auf die objektive Realität beschränken, sondern muss auch die subjektive Realität einbeziehen.

          Tyrannei des Funktionalismus

          Viele Denker haben das gesagt. Leider sind sie weit verstreut und nehmen die Arbeit der anderen nur selten zur Kenntnis. Wenn sie ihre Kräfte bündelten, könnten sie eine neue Aufklärung hervorbringen. Eine von der Wissenschaft eingeschüchterte und vom zynischen, leeren „Postmodernismus“ zu Tode gelangweilte Welt braucht nämlich dringend eine neue, subjektivistische, humanistische, individualistische (und postironische) Weltsicht. Wir brauchen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft und Kunst und spirituelles Leben, um im vollen Sinne Menschen zu sein. Die drei letztgenannten verlieren zunehmend an Bedeutung, und die erstgenannte versteht fast niemand mehr. Robotistische Vorstellungen sind daran nicht allein schuld, aber sie spielen eine große Rolle.

          Zwei herausragende Philosophen (unter anderen Dissidenten) rufen nach einem neuen Subjektivismus. John Searle, Philosophieprofessor an der University of California in Berkeley: „Am erstaunlichsten ist die Tatsache, dass viel am Mainstream der Philosophie des Geistes der letzten fünfzig Jahre offensichtlich falsch zu sein scheint.“ Das schrieb Searle 1992, er hat seine Meinung bis heute nicht geändert.

          Was ist da falsch gelaufen? Viele prominente Denker glauben, wenn sie die Realität des Bewusstseins und subjektiver Gefühle zugäben, verrieten sie die Wissenschaft. Deshalb weisen sie subjektive Gefühle zurück. Thomas Nagel, Professor für Philosophie und Recht an der New York University, sagt zur modernen Kognitionswissenschaft und Philosophie: „All diese Theorien erscheinen unzulänglich als Analysen des Mentalen, weil sie etwas Wesentliches außer Acht lassen.“ Nämlich? „Die erste Person, den inneren Standpunkt des bewussten Subjekts: zum Beispiel, wie Zucker Ihnen schmeckt oder wie Rot aussieht oder wie Zorn sich anfühlt.“

          Eine Gesellschaft, die auf „Massenpsychologie“ basiert

          Wie konnte man solche Dinge auslassen? Weil der „Funktionalismus“ heute unter den Theoretikern des Geistes die vorherrschende Sicht darstellt. Der Funktionalismus fragt: „Was heißt es, zum Beispiel, durstig zu sein?“ Die Antwort: Bestimmte Ereignisse (Hitze, harte Arbeit, mangelndes Trinken) verursachen einen mentalen Zustand, den man als Durst bezeichnet; dieser Zustand veranlasst uns zusammen mit anderem, bestimmte Dinge tun zu wollen (etwas zu trinken). Nun verstehen wir, was „ich bin durstig“ bedeutet. Aber das ist keine gute Erklärung, weil „Durst“ vor allem bedeutet, dass wir uns durstig fühlen. Wir haben eine bestimmte Empfindung. (Dieses Gefühl erklärt wiederum bestimmte Wendungen wie „Wissensdurst“, obwohl dieser Durst nichts mit der Hitze draußen zu tun hat.)

          Der Funktionalismus gewann an Bedeutung, als die Computer an Bedeutung gewannen. Viele Philosophen und Wissenschaftler glauben, der Verstand arbeite wie ein Computer. Niemand weiß, wie man es schaffen könnte, dass ein Computer etwas fühlt oder ob so etwas überhaupt möglich ist. Aber wenn man Fühlen und Bewusstsein eliminiert hat, wird es viel leichter, einen Computerverstand zu erschaffen. Nagel nennt diese Ansichten einen „heroischen Triumph ideologischer Theorie über den gesunden Menschenverstand“.

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