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„Emma“ und die Pilotinnenquote : Trip der Gerechten

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Tatsächlich konnte man bei der Lektüre von Puschs Text, genauso wie bei den in den darauffolgenden Tagen veröffentlichten Texten zum Thema von Alice Schwarzer und Chantal Louis, den Eindruck gewinnen, es gehe hier vor allem darum, klarzustellen, dass Männer a) sich häufiger umbrächten, b) nahezu ausschließlich für Amokläufe verantwortlich seien und also c) warum Männer so viel Gewalt ausübten (zu Hause, im Cockpit, grundsätzlich halt). Während Pusch überhaupt nicht nach Ursachen sucht, ist dieser Versuch bei Louis und Schwarzer wenigstens in Ansätzen zu erkennen. Die Gründe dafür, dass „Amoktrips“ (meine Güte, dieses Wort, es hat etwas Banalisierendes, man kann auf einem Motorrad-, einem Drogen- oder Selbstfindungstrip sein, aber doch nicht auf einem Amoktrip, und ich werde den Eindruck nicht los, als gehe es hier um die Dämonisierung von Männern zu egoistischen Arschlöchern, die allein dazu fähig sind, auf einem „Amoktrip“ zu sein) – die Gründe für die sogenannten Amoktrips, schreibt Schwarzer also, könnten mit einem „vermeintlichen ,Versagen‘ bei der Männerrolle“ zu tun haben. „Zum Beispiel ein Familienvater verliert seine Stelle.“ Weiter könne ein Amoklauf oder Flug etwas mit gekränkter „Männerehre“ zu tun haben. Oder, klar, mit dem Konsum von Gewalt- und Pornofilmen.

Die Ordnung bedroht nicht nur Männer, sondern alle

Warum aber wird hier an keiner Stelle gefragt, was denn das ist, diese „Männerrolle“? Und ob sie es nicht vielleicht ist, die Männer Amok laufen lässt, was doch, befasst man sich mit den Imperativen, die von dem gegenwärtig angesagten Männerbild ausgehen, komplett nachvollziehbar ist. Und damit meine ich natürlich nicht, du armer Mann, ich kann dich verstehen, go for it. Ich meine, dass es normal ist, dass Menschen durchdrehen, wenn sie ausschließlich nach Funktionsfähigkeit, Stärke, Leistungsbereitschaft und Geld beurteilt werden. Was direkt zu der Verfasstheit unserer Wirtschaftsordnung führt, zu der Art, wie Arbeit organisiert und ihr das Leben untergeordnet wird. Dieser Aspekt fehlt bei den drei „Emma“-Autorinnen ganz, und man kann wohl keiner von ihnen unterstellen, dass ihr Kopf es ihnen nicht erlaube, darüber nachzudenken. Sie tun es einfach nicht, weil auf ihrer Agenda nun mal Frauen stehen und nicht Männer (was übrigens echt egoistisch ist).

Nun ist es so, dass Pusch eine Frauenquote für Pilotinnen fordert, was, betrachtet man die nach dem Absturz veröffentlichten Berichte über die Arbeitsbedingungen von Piloten, auch ein bisschen lustig ist und auf einen grundsätzlichen „Emma“-Wirtschafts-Feminismus-Denkfehler hinweist. So: Hauptsache, die Frauen fliegen Flugzeuge, ganz egal, ob sie wegen Stress und Leistungsdruck durchdrehen. Das Gute an ihnen ist doch, dass sie, anders als Männer, Frustrationen und Aggressionen (darauf weist Louis in ihrem Text hin) eher nach innen als nach außen richten. Das stimmt natürlich, denn Frauen neigen in solchen Situationen eher dazu, sich die Haut aufzuschlitzen. Puh, Problem gelöst.

Was natürlich nicht stimmt. Denn der Wirtschafts-Feminismus-Denkfehler dient vor allem, ja, exakt: der Wirtschaft, Angela Merkel, dem Wachstum. Und die Ordnung, in der wir leben, bedroht nicht nur Männer, sie bedroht alle. Und es ist die bekloppteste Idee seit der Erfindung des Feminismus, dass die Welt dann gerecht sei, wenn alle gleich behandelt werden. Dann nämlich wird es richtig ungerecht. Es gibt Themen, über die man ohne die Mann-Frau-Opposition nicht nachdenken kann (Erziehung, Sexismus, Eltern und Arbeit), aber es gibt auch Angelegenheiten, da sollte man dazu in der Lage sein, auf diese Opposition zu verzichten, andernfalls wird man kleinlich und menschenunfreundlich.

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