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Eröffnung des Louvre Abu Dhabi : Das leuchtende Ei auf der staubigen Insel

  • -Aktualisiert am

Ein Prachtbau, der seinesgleichen sucht. Bild: Roland Halbe

Die Golfstaaten lieben Megaprojekte. Von heute an ist der Louvre Abu Dhabi für das Publikum geöffnet. Das Emirat lässt sich das spektakuläre Museum Hunderte Millionen Dollar kosten.

          5 Min.

          Es war wieder einmal ein Tag der Superlative am Golf. Niemand, der vor der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi an diesem Samstag auf der Bühne saß, weder der Architekt Jean Nouvel noch Manuel Rabaté, der Direktor des neuen Museums, oder Jean-Luc Martinez, der Direktor des Louvre in Paris, widerstand der Versuchung des großen Wortes: Der Louvre Abu Dhabi biete eine Reise durch die ganze Welt, er sei ein „leuchtendes Geschenk“ und trage bei zur „Ausweitung der Zonen des Lichts“, helfe so, Fanatismus zu bekämpfen und künftige Generationen zu erziehen. Keine kleinen Aufgaben für ein einziges Haus.

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Denn noch steht der arabische Louvre ziemlich allein auf weiter Flur. Umgeben nur von ein paar frisch gepflanzten Palmen in dem ansonsten staubigen Brachland der Insel Saadiyat, mit Blick auf den Containerhafen von Abu Dhabi liegt er in der Gegend wie ein Ei, das aus dem Nest gefallen ist. Man erkennt ihn sofort an dem leicht gewölbten Stahldach, das Jean Nouvel über sein Ensemble von 55 unterschiedlichen Häusern und Galerien geworfen hat und das gewiss zum ikonographischen Bild von Abu Dhabi avancieren wird. Anders als geplant aber, wird dieser Louvre seine Mission allein antreten müssen. Vom Guggenheim Abu Dhabi, das, von Frank Gehry entworfen, in unmittelbarer Nachbarschaft entsteht, ist nicht viel zu sehen. Von Norman Fosters Nationalmuseum und dem Center for Performing Arts von Zaha Hadid fehlt jede Spur.

          Spektakulärer Bau zur Insel

          Da trifft es sich gut, dass sich der spektakuläre Bau zur Insel hin weit weniger öffnet als in Richtung des Wassers, das in seiner Architektur eine ebenso große Rolle spielt wie das Licht. Man kann kaum fünf Meter gehen, ohne auf einen neuen Ausblick zu stoßen – auf die Anlegeplätze für die Boote, mit denen sich das Museum anschippern lässt, die im Dunst verschwindende Skyline von Abu Dhabi oder kleine Infinity Pools, die mit spiegelglatter Wasseroberfläche zwischen einzelnen Galerien in dem gewollt unübersichtlichen Bau ruhen. Der Louvre Abu Dhabi ist ein Ort, der große Gegensätze verbindet: Wie das Wasser suggeriert auch das Licht, das durch das Sternenmuster des Dachs fällt und mit dem Sonnenstand durchs Museum wandert, einen ständigen Wandel. Zugleich umhüllt das Dach die Anlage auch wie eine Oase, in der fern von allem eine eigene Welt existiert.

          Um nichts Geringeres als diese Welt dreht sich die Dauerausstellung, mit welcher der Louvre Abu Dhabi von diesem Samstag an seine Türen öffnet. Der Slogan „See humanity in a new light“, der schon im Flugzeug auf dem Weg nach Abu Dhabi und dort an jeder Straßenecke für das Museum wirbt, mag noch so phrasenhaft klingen. In der Schau wird schnell deutlich, wie wörtlich ihn die Kuratoren um Direktor Manuel Rabaté genommen haben. In zwölf Galerien erzählen sie die Geschichte der Menschheit, von den Anfängen, die hier mit der Gründung der ersten Dörfer etwa 4000 vor Christus zusammenfallen. Bis zur Gegenwart, die sich beispielsweise in einem „Brunnen aus Licht“ offenbaren soll, den der Künstler Ai Weiwei eigens für den Louvre Abu Dhabi gefertigt hat und der an den Turmbau zu Babel erinnert – als, wie ein Schild am Fuß des Werks erläutert, Metapher für diversity und die Frage, was die Menschen in der globalisierten Welt miteinander teilen.

          Auch ein Gast auf Zeit im Louvre Abu Dhabi: Éduard Manets berühmtes Gemälde „Der Pfeifer“ von 1866, aus dem Musée d’Orsay in Paris
          Auch ein Gast auf Zeit im Louvre Abu Dhabi: Éduard Manets berühmtes Gemälde „Der Pfeifer“ von 1866, aus dem Musée d’Orsay in Paris : Bild: Roland Halbe

          Dabei ist es genau dies, der etwas schulmeisterliche Ton, der in der Ausstellung irritiert. Zuweilen fühlt man sich wie ein Kind, das an die Hand genommen und durch den Paradiesgarten namens Erde geführt wird, wobei man ihm stets versichert, dass die Menschheit trotz augenfälliger Unterschiede doch Teil eines großen Ganzen, nämlich der Schöpfung ist. Mag sein, dass, um ein Beispiel zu nennen, jene drei Porträts, die aus Nigeria, Ecuador und Italien stammen, hier aber zusammen in einer Vitrine liegen, völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Antlitz des Menschen offenbaren. Allein dass sie aus demselben Material gefertigt sind, aus Ton, und aus derselben Epoche stammen, um 300 vor Christus, ist ausschlaggebend für die Art ihrer Präsentation – und typisch für die Vorgehensweise dieser Schau. Wie diese drei Gesichter sind viele Werke in thematischen Dreiergruppen arrangiert, die zeigen wollen, wie ähnlich sich die Menschen entwickelt haben, ganz gleich wo sie lebten. Selbst eine jemenitische Thora von 1498 findet sich neben einem Koran und einer Bibel – das unbedingte Bemühen unterstreichend, aus diesem universalen Museum niemand auszuschließen.

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