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Was liest Elon Musk? : Elektrogewitter

  • -Aktualisiert am

Kriegerischer Unternehmer in Lederjacke: Elon Musk im vergangenen Frühling auf dem Gelände der Tesla-Gigafactory nahe Berlin Bild: REUTERS

Gepackt vom Heißhunger nach dem Außergewöhnlichen: Der Tech-Gigant Elon Musk hat sich als Verehrer des umstrittenen Schriftstellers Ernst Jünger zu erkennen gegeben.

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          Elon Musk ist ein Fan von Ernst Jünger. Diese Nachricht muss unter den vielen weltverbessernden Verehrern des grünkapitalistischen Unternehmer-Idols einschlagen wie eine Wasserstoffbombe. Dass sich der reichste Mann der Welt – ebenso wie etwa der ge­scheiterte sozialdemokratische Kanzlerkandidat Martin Schulz oder der international erfolgreiche Maler Neo Rauch – als ein begeisterter Leser des umstrittenen Autors zu erkennen gibt, ist überraschend und kann nur zu erheblichen Kursschwankungen der Erfolgsaktie Tesla führen. In einem Tweet, der an den militärhistorisch ambitionierten Podcaster Dan Carlin gerichtet war, lobte Musk vor seinen 62 Millionen Anhängern unlängst Jüngers „Stahlgewitter“ enthusiastisch als „großartiges Buch“.

          Das ist nicht einfach eine weitere Facette im schillernden Aurakostüm des südafrikanischen Studienabbrechers, der seine ersten hundert Millionen Dollar mit dem Online-Bezahldienst Paypal verdiente, um danach zum welterobernden Re­volutionär der Autoindustrie aufzusteigen. Es führt tiefer in Musks intellektuelle Triebstruktur hinein. Er, der sich nicht zuletzt mit einem gigantischen Raumschiffprogramm und neurotechnologischen Versuchen als Pionier einer zukünftigen Lebenswelt versteht, er, der jenen futuristischen Erfindergeist verkörpert, der sich von der ewigen Wiederkehr des Gleichen radikal befreien will, indem er nach dem Unerreichbaren strebt, findet die Lektüre von Jüngers 1920 erschienenem Kriegstagebuch „intensiv“, weil er darin ebenfalls einem „Heißhunger nach dem Außergewöhnlichen“ und einer Faszination für die Wirkung der Technik begegnet.

          Suggestion der Tabula rasa

          Jüngers harte, zwischen Schrecken und Epochenenthusiasmus changierende Darstellung je­nes „planetarischen“ Ereignisses, als das eine Generation von jungen Männern den Ersten Weltkrieg erfuhr, regt den Tech-Giganten Musk zur Identifikation an. Auch er sieht sich als „Stoßtruppführer“, der sich von historischen Vertrautheiten löst und Möglichkeiten schafft, alles ganz neu zu machen. Die Suggestion einer solchen Tabula rasa ist es, die den Verfasser der „Stahlgewitter“ und den Erfinder von Tesla miteinander verbindet. Zwischen ihnen liegt ein von Schlachtengrauen erschüttertes Jahrhundert, in dem der „Krieger“ als Repräsentant der Zeitenwende vom Unternehmer abgelöst wurde.

          Das Ziel aber ist das gleiche geblieben: „Es ging um den Besitz der Welt“, wie es in Jüngers Ursprungstext hieß. Aber auch die in der Stuttgarter Ausgabe seiner „Sämtlichen Werke“ abgeschwächte Variation passt gut zu Elon Musk: „Es ging um die Zukunft der Welt.“

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

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