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Elie Wiesel : Obama würdigt Wiesel als „Gewissen der Welt“

  • Aktualisiert am

Obama ehrt Elie Wiesel im Jahr 2009. Bild: AP

In einer ungewöhnlich langen Erklärung hat der amerikanische Präsident dem verstorbenen Elie Wiesel gedankt. Weltweit herrscht Bestürzung über den Tod des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden.

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          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den am Samstag gestorbenen Elie Wiesel als „eine der großen moralischen Simmen unserer Zeit“ und „Gewissen der Welt“ gewürdigt. Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. „Er war ein lebendes Denkmal.“

          Wiesel habe trotz des Erlittenen niemals den Glauben an die Menschlichkeit „und den Fortschritt verloren, der möglich ist, wenn wir uns gegenseitig mit Würde und Respekt behandeln“. Dafür, so Obama, sagen wir „heute abend unseren Dank“.

          Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Der in Siebenbürgen geborene US-Publizist veröffentlichte zahlreiche Bücher zum Holocaust und hielt die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors wach.

          „Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte“

          Bundespräsident Joachim Gauck nannte Wiesel einen wichtigen Zeitzeugen, „großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten“. Wiesel habe es mit seinen eindringlichen Worten verstanden, „die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen“, erklärte Gauck. Deutschland habe mit dem Tod von Elie Wiesel „einen großen Verlust erlitten“, hieß es in einem Kondolenzschreiben Gaucks an dessen Ehefrau Marion Esther Wiesel.

          „Spuren in der Menschheit hinterlassen“

          Wiesels Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 2000 hätten viele Bundesbürger bis heute nicht vergessen, erklärte Gauck. „Seine Äußerungen berührten die Menschen, gleichgültig ließen sie keinen.“ Wiesel hatte bei einer Feierstunde im Bundestag 55 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz in bewegenden Worten vom Schicksal der Juden, von ermordeten Kindern und ihren Müttern berichtet. Wer das Gedenken verdrängen wolle, bringe die Opfer ein zweites Mal um, mahnte er.

          Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. „Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts.“

          Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. „Elie Wiesel war einer der großen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre“, sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. „Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit.“

          Oscar-Preisträger George Clooney rief dazu auf, den humanitären Kampf des Holocaust-Überlebenden fortzusetzen. Wiesel habe „unseren Schmerz, unsere Schuld und unsere Verantwortung“ über Generationen hinweg auf seinen Schultern getragen, sagte Clooney in einer Mitteilung. Nun sei es unsere Aufgabe, für die Entrechteten zu kämpfen und die Wahrheit zu sprechen. „Zur Erinnerung an Elie ist es das Mindeste, was wir tun können. Ruhe in Frieden mein Freund“, schrieb Clooney.

          Der Schauspieler und der Friedensnobelpreisträger hatten sich zusammen für viele humanitäre Projekte eingesetzt, unter anderem für die Bevölkerung in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur. Beide gehörten als Vorsitzende auch dem Auswahlkomitee für die Verleihung des Aurora-Preises an, mit dem Aktivisten für Projekte zur Förderung der Menschlichkeit ausgezeichnet werden.

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