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Elbphilharmonie : Harter Bandagenkampf

  • -Aktualisiert am

Das Chaos rund um die Elbphilharmonie ist beispielhaft für eine weit verbreitete skandalöse Praxis. Bild: dpa

Mit dem Abschlussbericht zur Elbphilharmonie bekommt Hamburg seine schwarzen Schafe. Nur: Verzögerung und Kostenexplosion lassen sich in Deutschland kaum vermeiden.

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          Nun also ist das große schwarze Schaf für die Finanzkatastrophe der Hamburger Elbphilharmonie gefunden: Ole von Beust, seinerzeit Erster Bürgermeister, trage, so der Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, „konkret die Verantwortung für Fehlentwicklungen“ wie die Verzehnfachung der Baukosten auf momentan 789 Millionen Euro und die (vorläufig) vierjährige Verzögerung der Fertigstellung.

          Als Punkte einer „fatalen Ereigniskette“ werden in dem 754- Seiten-Fazit „unfertige Pläne, überforderte Politiker und ein Chaos auf der Baustelle“ genannt. Schon darin klingt an, dass von Beust zwar ein Gutteil Schuld anzulasten ist, er aber auch als Sündenbock für die Verfehlungen vieler herhält.

          So kommentierte denn auch die Leiterin des Untersuchungsausschusses, die Grüne Eva Gümbel, neben dem damaligen Senat, der blindlings habe bauen lassen, hätten auch die Ausführenden einen nicht geringen Anteil an dem Desaster: „Das Generalunternehmen Hochtief und die Architekten Herzog & de Meuron hatten weniger das Projektgelingen als ihre eigenen Interessen im Auge – und haben dafür mit harten Bandagen gekämpft.“

          Ole von Beust trägt die Verantwortung für die Fehlentwicklungen - allerdings nicht alleine.
          Ole von Beust trägt die Verantwortung für die Fehlentwicklungen - allerdings nicht alleine. : Bild: dpa

          Harte Bandagen – das ist die diskrete Umschreibung einer skandalösen weitverbreiteten Praxis im Baugeschehen der Bundesrepublik. Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass Großprojekte, bei denen Kommunen, Länder oder der Bund als Bauherren agieren, Baukonzernen als sichere Bank, will sagen als Chance für enorme Gewinne gelten, und dass selbst Star-Architekten mit Star-Honoraren nicht durchweg gefeit sind gegen die Versuchung von Zugewinn durch teure Planänderungen.

          Ein hinreißend schöner Bau

          Doch hat auch die Politik ihren Anteil am Bandagenkampf, zu dem das öffentliche Bauen verkommt – kaum ein anderes Land weltweit hat ein derart undurchdringliches Gestrüpp an Baugesetzen, -verordnungen, -auflagen und Zusatzverordnungen wie die Bundesrepublik; Verzögerung und Kostenexplosion sind dabei auch ohne Profitgier fast unvermeidlich. Wie von harten Bandagen könnte man hierbei von Macheten sprechen, die diesen Dschungel lüften sollten.

          So klingt nach einem frommen Wunsch, wenn Eva Gümbel erklärt, Hamburg brauche „mehr eigene Kompetenzen und eigene Expertise, um in künftigen Kooperationen mit privaten Partnern nicht wieder den Kürzeren zu ziehen“. Wer wagt da noch zu erwähnen, dass die äußerlich nahezu fertiggestellte Elbphilharmonie trotz aller Chaotik ein hinreißend schönes Bauwerk geworden ist?

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